Ewiger Frieden

Seit es ab 1.12.2016 die deutsche Ausgabe gibt, lese ich Charlie Hebdo regelmäßig. Ich war gespannt, ob das Satireblatt mit seiner radikal laizistischen Ausrichtung und seinem Humor, der keine politische Korrektheit und keine Geschmacksgrenze akzeptiert, bei den Deutschen ankommt. Der Erstauflage war 200.000, wie viele davon verkauft werden, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. In der Ausgabe 1278 wurden einige Leserbriefe abgedruckt, wie ich sie erwartet hatte: Schmierfinken, Drecksblatt, Machwerk, Klopapier usw.: „Charlie Hebdo ist eine ordinäre, vulgäre Zeitung. Sowohl Zeichnungen als auch Vokabular sind niveaulos, respektlos und megabillig. Vom ersten Blatt bis zum letzten Punkt nur geringschätzend und beleidigend.“ Vermutlich empfinden das die Macher als ein Lob.

Das Titelblatt der letzten Ausgabe hat wieder einmal Ärger provoziert. Es zeigt als Reaktion auf den Anschlag in Barcelona zwei in Blutlachen liegend Menschen, die von einem davonfahrenden Lieferwagen überfahren wurden. Der Text dazu: „Islam, Religion des Friedens…des ewigen Friedens“, noch pointierter im Original „Islam, religion de paix…éternell!“ Ist das Islamophobie und Stimmungsmache gegen Moslems? Der Redaktionsleiter Laurent Sourisseau (Riss), der bei dem Anschlag auf die Redaktion schwer verletzt wurde, antwortet, dass die Rolle der Religion bei den Attentaten immer ausgeblendet wird, mögen die Attentäter noch so laut „Allahu akbar“ rufen. Die Karikatur richtet sich gegen dieses Tabu. In der FAZ hält der Schweizer Journalist Jürg Altwegg das Cover „als durch und durch gelungen.“

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Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad sieht in den Karikaturen von Charlie Hebdo „eine Art Schocktherapie“ für Muslime, um zu erkennen, dass nicht das Ansehen des Islam im Westen das Problem ist, „sondern was in seinem Namen geschieht“. Quelle: Profilbild auf der offiziellen Website von Charlie Hebdo auf Facebook  (30.08.2017)

Ein Kommentar zu Ewiger Frieden

  1. Max Steinacher 1. September 2017 at 10:47 #

    Leider ist es so. Nach jedem Anschlag der stereotype Hinweis: Ja, schlimm, aber mit dem Islam hat das nichts zu tun.
    Die Verbrecher berufen sich nicht auf das Kommunistische Manifest oder das Neue Testament.

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