Glauben

Das Verb „glauben“ wird im Duden etwas stiefmütterlich behandelt, dabei hat es eine bemerkenswerte Semantik von der Vermutung bis zur Gewissheit (im Grimm’schen Wörterbuch sind dem Verb viele Seiten gewidmet): 1. In der Alltagssprache ist „glauben“ ein Synonym für „vermuten“: Es kommt oft anders, als man glaubt. 2. In einer zweiten Bedeutung verfestigt sich „glauben“: Obwohl es nur eine Vermutung ohne Beweis gibt, glaubt man es: Credo, quia absurdum est, ich glaube, weil es unvernünftig (eigentlich lt: falsch, ungereimt) ist. Glauben wird zum Bekenntnis gegen die Vernunft. 3. Schließlich meint „glauben“ im religiösen Sinn den Glauben an etwas unbedingt Wahres, etwas Offenbartes, Dogmatisches, Fundamentalistisches, ein Bekenntnis: Ich glaube an den Heiligen Geist…. Glauben kann man an Götter, Gott, Teufel, Geister, aber auch an die Schöpfung, die Dreifaltigkeit, die Unsterblichkeit, die Zehn Gebote, eine jungfräuliche Geburt usw., es gibt keine Beschränkung. Der substantivierte Glaube kann gefährlich werden: Wer nicht glaubt, der muss manchmal daran glauben! (12.05.2016)

Ein Kommentar zu Glauben

  1. Max Steinacher 12. Mai 2016 at 9:43 #

    „Wer nicht glaubt, der muss manchmal daran glauben.“
    Wie wahr, leider, leider.

    In der islamischen Welt kann die „Apostasie“ lebensgefährlich sein.

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