Horrorwittchen

Lohr am Main im Spessart ist nicht gerade eine bekannte touristische Adresse. Da hat sich das Stadt-Marketing etwas ausgedacht. Ein Lohrer Apotheker, Dr. Karlheinz Bartels, hatte mit den wissenschaftlichen Methoden der Fabulologie herausgekommen, dass das Schneewittchen aus dem Grimm`schen Märchen in Lohr geboren wurde. Vorbild der Märchenprinzessin ist die 1725 geborene Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal, die im Lohrer Schloss zur Welt kam. Lohr ernannte sich zur Schneewittchenstadt. Es gibt einen Schneewittchen-Wanderweg, einen Schneewittchen-Kuchen und das Ehrenschneewittchen ist Verona Pooth! Ein Schneewittchen-Kunstpreis wurde ausgeschrieben und den gewann der Bildhauer Peter Wittstadt. Aber als er sein Modell präsentierte, ging ein Schock durch die Stadt, denn das anmutige Schneewittchen sah aus wie ein hageres Gespenst mit Stummelärmchen und struppigen Haaren. Die Aufregung um die vom Stadtrat inzwischen abgesegnete Skulptur inspirierte den Gymnasiasten Valentin Lude zu einem Grafitto, auf dem Schneewittchen mit gezücktem Messer auf die sieben Zwerge losgeht. Und dieses Horrorwittchen ist jetzt ein großer Verkaufsschlager auf den üblichen Produkten wie T-Shirts und Tassen oder als Aufkleber für beliebige Gegenstände. Das ist doch eine schöne Geschichte zur visual Culture. (13.05.2015)

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Schneewittchen und die sieben Zwerge. Quelle: BR

2 Kommentare to Horrorwittchen

  1. SP Ballstaedt 13. Mai 2015 at 17:52 #

    Die SPIEGEL-Story ist mir entgangen, ich habe in der Süddeutschen Zeitung vom 8.5.2015 über die Skulptur und das Grafitto gelesen.

  2. Gunther 13. Mai 2015 at 17:47 #

    Was für eine Geschichte! Der SPIEGEL hat in seiner Ausgabe vom 8.12.14 sogar noch folgendes berichtet: »Es ging so weit, dass sich der Pfarrer verpflichtet fühlte, eine „Schneewittchen-Deeskalationsgruppe“ zu gründen.« Vermutlich war das auch nötig.

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