Inter!m

Auf der Schwäbischen Alb im Heidengraben auf dem ehemaligen Areal eines keltischen Oppidum findet derzeit das Kunstevent inter!m statt. Natur und Kunst sollen zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen, wobei die Künste als Musik, Text, Plastik, Installation, Theater vertreten sind.

Die Location ist ein Wagnis, nicht nur weil das Wetter auf der Albhochfläche im September recht unwirtlich sein kann, sondern weil auch die Akzeptanz dieser modernen Kunst im ländlichen Raum begrenzt sein dürfte. Das Kunstwerk „mittlerweile“ von Christian Hasucha wurde schon vor Beginn restlos zerstört. Es ist richtig, dass der traurige Zustand belassen wurde. Auch ein Beitrag von Kindergartenkindern in Hülben wurde beschädigt. Die Kleinen hatten allerlei sonderbare Gegenstände gefunden und vor allem skurril kommentiert. Leider sind einige Halbkugeln, in denen die objects trouvés präsentiert werden, eingedrückt bzw. eingeschlagen.  Das Thema ist das Suchen: „Wir sind nichts. Was wir suchen, ist alles“, so das Motto nach Friedrich Hölderlin. Dabei fehlt der übliche Hinweis nicht, dass Kunst, „neue Wege des Sehens und Denkens“ eröffnen soll.

Die Texte, fast alle von Susanne Hinkelbein, werden von Schauspielern perfekt vorgetragen, und auch ihre Kompositionen, Chöre und Arien, kommen mit den Anspielungen auf die Kelten und ihre Eroberer gut an, obwohl man bei beiden sehr konzentriert hinhören muss.   Während Texte und Musik in der Natur ihre Wirkung gut entfalten, hat es die bildende Kunst schwer: Die Natur braucht die artifiziellen Ergänzungen nicht, meist profitieren nur die Kunstwerke von der Umgebung, nicht aber die Natur von den Kunstwerken. Das Naturschöne ist eine scharfe Konkurrenz des Kunstschönen. Gelungen finde ich die Installation „Quaesitio“ von Nándor Angstenberger, für die der Wald ein hervorragender Hintergrund für ein optisches Erlebnis bildet, das viele Assoziationen auslöst. Dagegen fand ich die Installation „Decke“ von Susken Rosenthal wenig überzeugend, die Interpretation der Künstlerin ist bemüht: Sie „begreift ihre Rauminstallationen als Orte der aktiven Wahrnehmung, an welchen grundsätzliche Erfahrungen des Raum-Erlebens zwischen Raumvorstellung und Raumwahrnehmung vollzogen werden.“

Gut funktionieren die akustischen Installationen, z.B. „Fiels/Feld“ von Benoit Maubrey, in dem auf einem Acker halb eingegrabene Lautsprecher eine Collage aus Sätzen von Personen aus Hülben zu hören sind. Es ist ein sonderbares Erlebnis, an einem Feld vorbeizugehen, aus dem derartige Geräusche aufsteigen.

Ich möchte nicht den ganzen Parcours beschreiben, es fehlen Grimm, die Sphinx, Thales von Milet, das Kamel usw. Hingehen, hören und sehen!

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Magisches Licht: Die Installation „Quaesitio“ von Nándor Angstenberger. Foto: St.-P. Ballstaedt (20.09.2017)

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