Kundin

Sprache ist ein Mittel der Kommunikation, auf das immer verschiedene Einflüsse einwirken: sprachimmanente (Lautverschiebungen, Ökonomieprinzip), soziokulturelle (Lehn- und Fremdwörter, Rechtschreibreformen, Fachsprachen), politische (Amtssprachen, Migration, Sprachkritik). „Die“ Sprache, die es zu pflegen und schützen gilt, gibt es nicht. Dies zunächst einmal gegen alle Aufgeregtheiten über sprachlichen Wandel.

Eine Kundin der Sparkasse hat bis vor den Bundesgerichtshof geklagt, weil sie in den Formularen als Kunde, Einzahler, Sparer, Kontoinhaber angesprochen wird. Der BGH hat entschieden: Frauen müssen in Formularen nicht extra erwähnt werden. Ein merkwürdiges Urteil, da schon die meisten Behörden und Firmen eine Doppelnennung oder Sparschreibung eingeführt haben. Auch wer nicht alle Kapriolen feministischer Sprachbereinigung mitmachen will: Die Doppelung ist doch wahrlich kein dramatischer Eingriff: Kunde/Kundin oder Inhaber/in oder Sparer und Sparerin.

Das Argument mit dem generischen Maskulinum, das geschlechtsneutral auch die Frauen mit meint, sticht hier nicht, da es ja um eine Einzelperson geht. Zudem: Das generische Maskulinum ist zwar grammatisch korrekt, aber psychologisch sind Frauen nicht mitgedacht und fühlen sich damit auch nicht einbezogen. Untersuchungen mit unterschiedlichen Methoden belegen, dass beim Lesen generischer Maskulina häufiger an Männer als an Frauen gedacht wird. Werden Personen danach gefragt, wer ihr beliebtester Maler oder Sportler sei, dann werden beim generischen Maskulinum kaum Frauen genannt, dagegen bei geschlechtsneutralen Formulierungen signifikant mehr. Frauen werden von Stellenanzeigen, die das generische Maskulinum verwenden, weniger zu einer Bewerbung motiviert. Weibliche Personen zeigen ein größeres Interesse an einem Beruf, wenn er geschlechtsneutral beschrieben wird. Alle diese Untersuchung sind bei Wikipedia unter dem Stichwort „Generisches Maskulinum“ mit Quellenangabe referiert.

Sprache dient der Kommunikation und die Adressatenorientierung ist ein Grundprinzip professioneller Kommunikation, deshalb ist das Anliegen der Linguistinnen, Frauen sprachlich sichtbar zu machen, durchaus berechtigt und wird sich wohl auch im Sprachgebrauch durchsetzen. (15.03.2018)

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  1. Von Bauherrinnen und Kundinnen: Carolin Müller-Spitzer über geschlechtergerechte Sprache – MITqualitaet - 11. Juli 2018

    […] Auch in anderen Blogs wird zum Thema diskutiert, z.B. in der Engelbart-Galaxis und bei Ballstaetd-Kommunikation. […]

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