Bilderrätsel 2

Wieder eine Oberfläche, aber was wird abgebildet? Die Lösung kann man im Kommentar nachlesen. Foto: St.-P. Ballstaedt (14.08.2018)

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Schönwendig

In dem Buch „Kleine Geistesgeschichte das Lachens“ dankt der Autor Friedemann Richert im Vorwort seiner Mutter: „Mit ihrem fröhlichen Lachen hat sie meiner Familie und mir das Leben in seiner Schönwendigkeit nahegebracht.“ Schönwendigkeit? Das Wort habe ich noch nie gehört oder gelesen. Es der Versuch einer Übersetzung aus dem Altgriechischen: Eutrapelia ist eine Tugend gesitteter und gebildeter Männer, die Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik beschreibt: „Gewisse Scherze nämlich geziemt es sich wohl für einen solchen Mann zu machen und anzuhören; es ist ein Unterschied zwischen dem Scherz vornehmer und roher, dem Scherz gebildeter und ungebildeter Personen.“ – „Die aber angemessen zu scherzen wissen, heißen „eutrapeloi“, das bedeutet wohlgewandt, da sie sich wohl zu wenden wissen.“ Schönwendig bedeutet, dass man sich dem Schönen zuwendet und das Ordinäre meidet. Ob man da noch viel zu lachen hat? (09.08.2018)

Aristoteles lachte nur schönwendig, nicht unter seinem Niveau. Römische Kopie nach einer Skulptur des Bildhauers Lysippos. Rom, Palazzo Altemps. Quelle: Wikimedia Commons.

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Historischer Humor 8

Es ist sonderbar, dass der Furzwitz, englisch eleganter „flatulence humor“, wohl eines der ältesten Themen zur Erheiterung darstellt. Schon der angeblich erste dokumentiere Witz auf einer sumerischen Tontafel behandelt eine unschickliche Blähung.

In der griechischen und römischen Antike wird das Thema breit behandelt (allerdings in der Sammlung “Humor in der Antike“ von Karl-Wilhelm Weeber diskret ausgespart). Besonders in den Komödien findet man viele Kapifu-Stellen. Hier ein Beispiel aus der ersten Szene aus Aristophanes „Die Wolken“: Der Philosoph Sokrates erklärt dem begriffsstutzigen Bauern Strepsiades, wie ein Gewitter entsteht. Die Übersetzung von Ludwig Seeger wirkt etwas kindlich und verstaubt.

Sokrates:  Nun, so merk einmal auf: an dir selber mach’ ich’s dir deutlich.
Ist dir’s nie an den Panathenaien passiert, daß dein Magen, mit allerlei Brühen
Überfüllt, dir mit Knurren Molesten gemacht, mit Reißen und Blähn und Rumpumpeln?

Strepsiades: Beim Apollon, gar oft; und da währt es nicht lang, und es wurmt mir und fährt durch die Därme.
So ‘ne lumpige Brüh’, die verführt einen Lärm und tut akkurat wie der Donner:
Erst halblaut nur: bumbum, bumbum, dann vernehmlicher schon: bububumbum!
Bis donnernd gerad wie die Wolken zuletzt es herausfährt: bubububumbum!

Sokrates: Drum sieh: wenn dein Bäuchlein, winzig und klein, so gewaltige Bumbums herausfarzt,
Wie entsetzlich muß erst im erhabenen Raum rumoren das Rollen des Donners?

Strepsiades: Ich verstehe: drum sind sich auch Donner und Furz so ähnlich im brummenden Tone!

Auch in anderen Stücken von Aristophanes wird heftig gefarzt. Leider sind keine erzählten Witze aus der Antike überliefert. (01.08.2018)

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Zugschwächung

Das Wort fand ich in der Zeitung mit der überraschenden Definition: Wenn sich Fahrgäste in zu wenige Fahrzeuge quetschen müssen, dann nennt man das in der Bahnterminologie eine Zugschwächung. Verständlich wird das Kompositum, wenn man vom Gegenteil ausgeht: Bei einer  Zugstärkung werden zusätzliche Züge und/oder längere Züge eingesetzt, bei einer Zugschwächung fallen Wagen aus. (26.07.2018)

Bahnschild an der Usedomer Bäderbahn in Zinnowitz am 02.07.2012. Foto: Siegfried Heße auf http://www.bahnbilder.de (mit freundlicher Genehmigung)

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Dress Code

Piktogramme am Eingang zur Metekhi-Kirche in Tblisi (Tiflis) Georgien. Vor allem für Frauen nur auf den zweiten Blick verständlich. Foto: Max Steinacher (21.07.2018)

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Fränzi

Vom Verfranzen zu Fränzi, dem Kindermodell von Ernst Ludwig Kirchner. Eine Zeichnung von ihm: „Liegender nackter Mann mit Kind auf dem Rücken“ ist jetzt in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen: Es zeigt ein nacktes Mädchen mit roten Haaren in sexualisierter Pose auf dem Rücken eines Mannes sitzen, die Schenkel gespreizt, man sieht die rot akzenutierte Vulva. Es handelt sich um Lina Franziska Fehrmann, genannt Fränzi im Alter von neun Jahren. Auch von anderen Brücke-Künstlern wie Erich Heckel und Max Pechstein wurde sie in erotischen Posen gemalt. Sie war im Künsterjargon die Muse der Maler.

Nach den vielen Missbrauchsskandalen hat sich der Blick auf diese Bilder geändert, sie erregen bei Betrachtenden Anstoß. Darf man ein derartiges Bild ausstellen? Der Kunsthistoriker Felix Krämer sieht darin eindeutig eine Missbrauchsdarstellung, der Kulturjournalist Christian Saehrendt spricht von „ästhetisch-erotischer Ausbeutung Minderjähriger“. Pädophile Motive sind in Kirchners Bildern oft zu finden, aber was damals wirklich zwischen den Malern und ihren Modellen, auch erwachsene Frauen, ablief, das wissen wir nicht. Gern wird eine Tagebuchnotiz von Kirchner zitiert: „Heckel als geiler Sachse stürzte sich auf sie und vögelte sie ab“, aber wer mit „sie“ gemeint ist, bleibt unklar (Fränzi war es sicher nicht).

Dass es zwischen Kindern und Erwachsenen zu erotischer Anziehung kommen kann, wird niemand leugnen, nachdem Sigmund Freud dem Kind den Nimbus des Reinen und Asexuellen genommen hat. Das entscheidende ist: Der Erwachsene hat eine moralische Verpflichtung, derartigen Impulsen nicht nachzugeben, da ein Kind in Abhängigkeit nicht frei entscheiden kann. Pädophilie ist eine Tatsache, ihre Behandlung sehr schwierig, die Neigung bekommt man nicht wegtherapiert, aber den Umgang mit den Impulsen kann man zu steuern lernen.

Kunst zeigt nicht die Wirklichkeit, sondern eine Vorstellung von Wirklichkeit, Kunst zeigt auch unsere Fantasien und Alpträume. Wenn wir hier zensieren, dann werden viele Bildwerke abgehängt werden müssen. Sicher alles von Balthus, der Liebesbeziehungen zu mehreren Minderjährigen unterhielt. Oder von Paul Gauguin, der auf Tahiti eine 13-Jährige zur Frau nahm. Vor allem die Mädchenakte von Egon Schiele, der allerdings dafür bereits inhaftiert wurde. Edvard Munch sorgte mit seinem Bild „Pubertät“ 1894 für einen Skandal. Und Klimt? Und Picasso? Der Roman „Lolita“ müsste auch makuliert werden, usw. usw…. (18.07.2018)

Nachtrag: Einen Tag nach meinem Beitrag bekam ich einen Artikel von Bailey Sebastian & Scott R. Stroud, „#MeToo_and the_Arts“, der das Problem am Beispiel des berühmten Gemäldes „Thérèse Dreaming“ von Balthus diskutiert. Eine Besucherin des Metropolitan Museum of Art hatte Anstoß an dem Bild genommen und in einer Online-Petition das Abhängen von Bilder verlangt, in denen Menschen sexualisiert dargestellt werden. Derartige Bilder förderten den Voyeurismus. Inzwischen geht die Diskussion allerdings in die Richtung, dass ein Museum die Verantwortung hat, derartige Bilder in einen kulturhistorischen Kontext zu stellen und damit eine Diskussion über die Rolle der Frau anzuregen. (19.07.2018)

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verfranzen

„Sorry, dass ich zu spät komme, ich habe mich total verfranzt.“ Im Duden ist das Verb „verfranzen“ aufgeführt, es stammt aus der Fliegersprache. Aber wo kommt der sonderbare Wortstamm „franz“ her? In keinem meiner etymologischen Wörterbücher ist das Wort verzeichnet,  bei Heinz Küpper im „Wörterbuch der deutschen Umgangssprache“ steht der Hinweis, dass es sich um ein Wort aus der Soldatensprache handelt. In Wiktionary dann die Auflösung: “Fliegersprache des Ersten Weltkriegs: Franz war eine Bezeichnung für den für die Navigation zuständigen Copiloten (heute noch im Motorsport als Franzer  üblich), ist man die falsche Route geflogen, so hatte man sich verfranzt, da der Franz versagt hatte.” (15.07.2018)

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Bilderrätsel 1

Was habe ich hier für ein Motiv vor die Linse bekommen? Zum Vergrößern ins Bild klicken. Foto: St.-P. Ballstaedt (10.07.2018

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Wirkungsgleich

In den letzten Wochen waren wir Zeuge der Karriere eines Wortes aus dem Mund des großen CSU-Vorsitzenden und Heimatministers Horst Seehofer. Er stellt eine Forderung nach Zurückweisung von Asylsuchenden an den Grenzen auf und verlangt dann von der Kanzlerin und dem EU-Gipfel eine wirkungsgleiche Lösung, sonst…..

Aber wurde das Wort neu geboren? Nein, es ist im späten 19. Jahrhundert in Physik und Biologie nachweisbar, wo die Wirkungen von pharmakologischen Stoffen verglichen wurden. Von da ist es in die Gesundheitspolitik gewandert und Seehofer war 1992 bis 1998 Gesundheitsminister! Es ging damals um ein Gesetz, das die Gesundheitsausgaben verringern sollte: „Es sieht vor, die Apotheker zu verpflichten, unter wirkungsgleichen Präparaten jeweils das reiswerteste abzugeben“ (Tagesspiegel).

Das Wort ist vielleicht ein Kandidat für das Wort des Jahres 2018. Für Spötter und Satiriker eine Steilvorlage, Zeit online über die Schwesterparteien CDU und CSU. „Zwei, die nicht mehr wirkungsgleich sind.“

Dieser Beitrag ist inspiriert von einer Wortgeschichte von Matthias Heine in der Welt online (03.07.2018)

Nachtrag: Zu Wortneuschöpfungen der Politiker  ein Artikel von Stephan Hebel in der Frankfurter Rundschau. Dazu auch mein Beitrag über Ankerzentren.

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Drohnenverbot

Ein neues Piktogramm, das es aber wieder in zahlreichen Varianten gibt. Diese fand ich an einem Eingang zum Babelsberger Park in Potsdam. Foto: St.-P. Ballstaedt (30.06.2018)

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