Gangsta-Rapp

Dass Gangsta-Rapper jung, brutal und gutaussehend sind, sich gern als Machos und Provokateure produzieren, das gehört zum Image und bringt ja auch viele Kohle (für schnelle Autos und rassige Weiber). Aber wie sie die Branche und ihre Kritiker verarschen, ist schon bemerkenswert. Sie hauen irgendeinen Sprachmüll raus, aber meinen es nicht so, werden immer missverstanden, der Kontext wird übersehen und schließlich ist das ja Kunst. Welche Gesinnung Kollegah & Farid Bang pflegen, das ist nicht überraschend, irgendwo müssen ja die etwa 16% Antisemiten in Deutschland stecken. Aber was sind diese Lyrics für ein assoziativ-einfälltiges Geschwurbel, bei dem es wohl allein darauf ankommt, möglichst viele Reizwörter unterzubringen? „Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet / mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ – „Mache wieder mal nen Holocaust, komm an’ mit dem Molotow.“ Kostproben aus früheren Songs: „Nutte, Zeit, dass du Putzlappen befeuchtest / Ich bring Schusswaffengeräusche wie die Schutzstaffel der Deutschen“ oder „Kid, es ist der Boss, der für ‘ne Modezeitschrift Posen einnimmt wie die Wehrmacht, die in Polen einschritt.“ Das „Zuhältertape Vol. 4“ wurde übrigens 2016 mit einem „Echo“ ausgezeichnet! Wer das hören will und versteht, soll es hören, immerhin schaffen es ja diese Songs in die Charts und die Verkaufszahlen sind super, aber muss man diese Texte mit einem Preis prämieren? Da sind doch die Liedchen von Helene Fischer direkt erfrischend. (16.04.2018)

One Response to Gangsta-Rapp

  1. Max Steinacher 20. April 2018 at 21:10 #

    Ich finde es beunruhigend, dass die Kreationen der selbsternannten Gangster massenhaft gekauft werden.
    Wertet man sie durch Proteste auf? Ignorieren?
    Dazu sind sie eigentlich fast schon zu frech geworden, oder?

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