Of all affairs,
communication is the most wonderful.

John Dewey

 

Willkommen!

Mein Blog beschreibt, analysiert und bewertet Phänomene unserer Kommunikationskultur. Er soll die Augen und die Ohren für unsere sprachliche und visuelle Umwelt schärfen. Für mich ist er eine zwanglose Spielwiese für zufällige Entdeckungen und anfallende Gedanken. Man kann meinen Blog abonnieren.

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Geruchsintensiv

Die Östereichische Bundesbahn (ÖBB) versucht mit launischen Plakaten und Filmchen, die offenbar vor allem Jugendliche ansprechen sollen, für Ordnung in den Zügen zu sorgen. (09.12.2018)

    

Am besten gefällt mir der Hinweis 4. Quelle: https://www.oebb.at/ und eigenes Foto.

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Pullermann

In der DER ZEIT habe ich eine kleine Glosse gelesen, in der berichtet wird, dass in einer KITA im Prenzlauer Berg bei einem Elternabend darüber abgestimmt wurde, ob man das männliche Geschlechtsteil den Kindern gegenüber als Penis oder Pullermann bezeichnen sollte. Pullern oder auch strullen bzw. strullern ist in Süddeutschland ungebräuchlich, aber klingt doch sehr konkret. Wie bei uns brunzen, seichen und schiffen. Da Wörter, die eine Funktion bezeichnen, besonders verständlich sind, ist Pullermann eine gute Bezeichnung. Und kindgerecht dazu, denn es wird nur auf die bekannte Ausscheidungsfunktion, nicht auf die noch verborgene Fortpflanzungsfunktion fokussiert. („Was dem Menschen dient zum Seichen, damit schafft er seinesgleichen“, Heinrich Heine: Über Teleologie). Die Entscheidung ging 8:7 für den Penis aus. Es wird doch hoffentlich noch eine Entscheidung für das weibliche Geschlechtsteil geben. Mein Vorschlag: Strullerfrau. Über Transgender mache ich mir später Gedanken. (30.11.2018)

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Very rare

Über Fleischimitate, wie z.B. die vegane Fleischwurst oder den vegetarischen Fleischsalat , habe ich mich schon einmal mokiert. Jetzt bietet Coop in der Schweiz pflanzliche Steaks an, die bei der Zubereitung bluten! Es handelt sich dabei allerdings um Randensaft (Randen sind in der Schweiz Rote Beete). Um die Illusion weiter zu steigern, habe ich den Vorschlag, pflanzliche Koteletts mit biologisch abbaubaren Knochen herzustellen, damit auch Veganer etwas zu beißen und zu nagen haben. Übrigens, der Fleischsaft, der aus Steaks austritt, ist kein Blut, sondern Myoglobin, ein rot pigmentiertes  Protein aus dem Muskelfleisch. (27.11.2018)

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Ewig tot

Am letzten Sonntag vor dem 1. Advent und dem letzten Sonntag des Kirchenjahres ist Totensonntag, der Tag, an dem man seit 1816 der Verstorbenen gedenkt. König Wilhelm III. von Preußen hat ihn für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten eingeführt, er wurde von den anderen Landeskirchen übernommen. In den 50er Jahren wurde der Akzent vom irdischen Tod auf die Ewigkeit verschoben: Ewigkeitssonntag, Sonntag vom Jüngsten Tage oder Gedenktag der Entschlafenen. Statt Tod jetzt Auferstehung der Toten, statt sterben jetzt entschlafen. Tod, wo ist dein Stachel? (25.11.2018)

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Sprachwissenschaftler*innen

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in seiner letzten Sitzung keine Empfehlung oder gar Festlegung zum Gebrauch des Gender-Sterns (Lehrer*innen) oder Gender-Gaps (Lehrer_innen) getroffen. Mit diesen Schreibweisen sollen alle Personen in der Sprache berücksichtigt werden, die sich nicht einer männlichen oder weiblichen Geschlechtsidentität zuordnen. In Facebook werden 60 Identitäten angeboten! Zwar wird nicht an der Berechtigung eines dritten Geschlechts gezweifelt, das die Karlsruher Richter im Personenstandsrecht mit dem Eintrag „divers“ bereits abgesegnet haben, aber für die Sprache ist das verzwickt. Beide Schreibweisen verstoßen gegen Rechtschreibregeln und lassen sich nicht aussprechen. Zudem bräuchte man bei einem weiteren Geschlecht auch neue Pronomen, um darauf Bezug zu nehmen, bisher gibt es nur männliche, weibliche und sächliche Formen. Der Rat will abwarten, wie und in welche Richtung sich der Sprachgebrauch verändert, bevor er eine verbindliche Regelung trifft. Das ist sicher weise, denn jede Entscheidung würde derzeit einen Sturm der Entrüstung nach sich ziehen. Man hat noch von der Rechtschreibreform die Nase voll. (22.11.2018)

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#Koitüs

Der Tübinger Bürgermeister Palmer, der sich für kostenlosen Nahverkehr einsetzt, bekommt Schützenhilfe über #koitüs, dem Twitter-Hashtag für TüBus-Kontrollen. Die Kontrollettis sollen durch Vernetzung ausgetrickst werden, da sie neuerdings in Zivil und versteckten Kontrollmaschinen auftreten. (21.11.2018)

Subversive Aufkleber an Tübinger Masten und Mauern. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Wortspiele

Viele Tageszeitungen (FR, SZ) haben ihn nicht vergessen: Heute, am 12.November, ist der „Tag der schlechten Wortspiele“, angeblich 2006 vom deutschen Cartoonisten Bastian Melnyk eingeführt.

Was ist ein Wortspiel? Und gibt es überhaupt schlechte Wortspiele? Bei einem Wortspiel dienen sprachliche Einheiten wie Laute, Buchstaben, Silben, Morpheme, Wörter als Material für Kalauer, Schüttelreime, Aphorismen, Witze usw. Der kreative Umgang mit der Sprache durch Umstellungen, Verballhornungen, Mehrdeutigkeiten usw. ist beliebt bei Kindern, aber auch bei dadaistischen Künstlern.

In einer Zeitung habe ich heute folgendes Wortspiel gelesen: „Frage: Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? Antwort: Weil sie Insekten sind.“ Kein Wortspiel auf derselben Seite ist die Meldung: „Jäger erschießt Frau statt Fasan“. Gut für den bedrohten Artbestand!

Es gibt im Web die TOP 20 der schlechtesten Wortspiele. Auf Platz 4: „Willkommen in meiner behüteten Scheide“ (statt bescheidenen Hütte). Aber was ist daran schlecht? Der Gedenktag bietet mir endlich die Möglichkeit, einen albernen Sprachscherz loszuwerden, der bei Kindern gut ankommt: „Hinter einer Fichtenwurzel hört man einen Wichtel furzen.“

Ich verabschiede mich mit Platz 6 und 17 der blödesten Wortspiele:  John Porno, Piss dann! (12.11.2018)

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Beim Fleischhauer

Wieder habe ich ein paar Austriazismen im Gepäck, diesmal sind mir Wörter aus dem Bereich des Fleischverzehrs aufgefallen. In einem Prospekt  werden „Schweinsbauch“ und „Schweinsschnitzel“ angeboten, also mit einem abweichenden Fugenlaut (nicht „Schweinebauch“ und „Schweineschnitzel“). NatürlichHendlfilet“, das überrascht nicht.  Dann aberSurschopfbraten“, das ist ein gepökelter Schweinenacken. Auf Plakaten wird „mageres Meisl“ offeriert, ein „Gustostück“ vom Vorderviertel des Rindes, dessen Bezeichnung auf das Lateinische „Musculus“ (= Mäuschen) zurückgeht. Weitere „Gustostücke“ sindSchulterscherzel“  ( = Rinderschulter) und „Beiriet“ (= Rostbeef). (11.11.2018)

Kein lockendes Sonderangebot für österreichische Vegetarier und Veganer. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Der Mohr kann gehen

Jetzt hat es den Sarotti-Mohren erwischt, die Werbefigur für Schokolade mit Turban und Schnabelschuhen. Ein Reklame-Schild hängt über der Theke eines Mannheimer Kulturzentrums und erregt jetzt die Gemüter: Das Bild soll weg, da es rassistisch und diskriminierend ist. Tatsächlich ist ein dienstbeflissener Neger ein Relikt unserer kolonialen Vergangenheit. Aber geht hier die political correctness nicht (wieder einmal) zu weit? Das Bild gehört zu unserer visuellen Kultur, ich möchte mir gar nicht ausdenken, wie viele Bilder man tilgen müsste, um eine saubere visuelle Weste zu behalten. Sicher die Werbebilder mit Hausfrauen am Herd, mit der die Firmen die ersten Elektrogeräte bewarben: Die Frau in der Küche, sicher eine Diskriminierung. Durch den glatzköpfigen Meister Proper kann man sich als Mann diskriminiert fühlen usw. (07.11.2018)

 

 

 

 

Zum 50. Firmenjubiläum 1918 wurde als Erinnerung an die Gründungsstätte in der Berliner Mohrenstraße der Sarotti-Mohr als Markenfigur eingeführt. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen (Zitat aus Friedrich Schillers Drama “Die Verschwörung des Fiesco zu Genua”). Quelle : Wikimedia Commons

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Erotische Prosa

Seit Polizisten und Journalisten immer häufiger über sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum berichten, haben sich Sprachgewohnheiten herausgebildet, über die Vorfälle eindeutig, aber dezent und bewertend zu beschreiben:

„Einem Zeugen war aufgefallen, wie der Mann die beiden Frauen beobachtete und gleichzeitig bei geöffneter Hose eindeutige Handbewegungen im Intimbereich machte.“ (SWP 7.9.18)

„Hinter ihr befand sich ein Mann, der seine Hose sowie seine Unterhose bis auf die Knie heruntergelassen hatte und an seinem Geschlechtsteil manipulierte.“ (SWP 16.10.18))

„Dabei berührte der erkennbar alkoholisierte Unbekannte sie unsittlich an den Oberschenkeln […] Im Verlauf der Fahrt bedrängte er die junge Frau erneut und berührte sie unsittlich an der Brust.“ (SWP 10.10.18)

Da stellt sich Frage, ob es auch eine sittsame Berührung der Oberschenkel und der Brust gibt. (01.11.2018)

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