Of all affairs,
communication is the most wonderful.

John Dewey

 

Willkommen!

Mein Blog beschreibt, analysiert und bewertet Phänomene unserer Kommunikationskultur. Er soll die Augen und die Ohren für unsere sprachliche und visuelle Umwelt schärfen. Für mich ist er eine zwanglose Spielwiese für zufällige Entdeckungen und anfallende Gedanken. Man kann meinen Blog abonnieren.

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Austriazismen

Aus Österreich habe ich einige österreichische Ausdrücke mitgebracht. So lese ich in der Gratiszeitung ÖsterreichHeute vom 14.9. von einem Detektiv in der Stadt Amstetten, der gegen „Hundstrümmerl“ vorgeht, weil Hundehalter nicht zu einem „Gackerlsackerl“ greifen.

Beim Heurigen habe ich einen „Gemischten Satz“ getrunken, das ist ein Wein, der aus verschiedenen Rebsorten ohne festes Mischungsverhältnis zusammen gekeltert wird und daher ein vielschichtiges und abwechselndes Geschmackserlebnis hinterlässt. In einer EU-Verordnung wurde der „Gemischte Satz“ als geschützte Bezeichnung aufgenommen. (15.09.2018)

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Taktische Zeichen

Auf dem Weg zur 65. Weltpflügermeisterschaft auf dem Hofgut Einsiedel habe ich Zeichen an den Bäumen entdeckt, die offenbar den möglichen Einsatz der Feuerwehr regeln sollten. Bei meiner Recherche bin ich auf eine unglaubliche Menge sogenannter taktischer Zeichen gestoßen. Ursprünglich militärischen Ursprungs wurden sie für Organisationen mit Sicherheitsaufgaben wie Feuerwehr oder Katastrophenschutz teilweise übernommen. Die Zeichen sind in den Dienstvorschriften festgelegt und dienen der Steuerung und Kommunikation bei einem Einsatz. Sie bestehen meist aus einem Grundzeichen und Zusatzzeichen.

   

Die zwei vertikalen Striche stehen beim Militär für Bataillon/Geschwader, bei der Feuerwehr für Abteilung /Verband II. – Das taktische Zeichen besteht aus dem Grundzeichen: Quadrat auf der Spitze steht für eine Person, die rote Füllfarbe steht für die Feuerwehr, die drei Punkte für den Zugführer. Quellen: Foto  St.-P. Ballstaedt; Piktogramm: Wikimedia Commons (06.09.2018)

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Unehrenwerte Hinterlassenschaften

Ein Text, der durch zwei nicht so häufige Wörter auffällt: eine „ehrenwerte“ Gegend und „Hinterlassenschaften“.

Dass ich in einer derartigen Gegend wohne, war mir bisher entgangen, bei dem Adjektiv fällt einem gleich ein Song von Udo Jürgens ein: „Ein ehrenwertes Haus“. Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm findet man seitenlang Ableitungen vom Wort „Ehre“ von „ehrbegierig“ über „Ehrenblüte“ (für Jungfräulichkeit) bis „Ehrenschändung“, aber „ehrenwert“ habe ich nicht gefunden.

Das Verb „hinterlassen“ ist bei den Grimms aufgeführt und bedeutet „etwas hinter sich lassen“ oder „zurücklassen“, „namentlich bezüglich eines gestorbenen“. So ist Hinterlassenschaft das von einem Verstorbenen zurückgelassene: sein Vermächtnis, Erbe, Nachlass.  Wie das Wort auf die Fäkalien kommt? Wohl ein Euphemismus, denn Kot oder Scheiße will man in einer ehrenwerten Gegend nicht schreiben. (01.09.2018)

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Zwiebelliebe

Aus dem Sommerloch eine Entdeckung am Frühstückstisch: Die Kunststoff-Pelle der Zwiebel-Leberwurst ist warenästhetisch mit einer Liebesszene ausgeschmückt: Zwei Zwiebeln himmeln sich an! Herzhaft! Foto: St.-P. Ballstaedt (26.08.2018)

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Trinker

An jedem Pfahl und Mast kleben Gegen-Rechts-Sticker und Antifa-Sticker. Etwas wirklich Originelles ist nicht zu finden. Deshalb dieser schon etwas verschmutzte Kleber, der einen Dialog aus dem Film „Casablanca“ zitiert:

STRASSER:
What is your nationality?
RICK (pokerfaced)
I’m a drunkard.

Der Sticker ist in verschiedenen Versionen verbreitet und der Text auch auf T-Shirts zu haben. Foto: St.-P. Ballstaedt (16.08.2018)

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Bilderrätsel 2

Wieder eine Oberfläche, aber was wird abgebildet? Die Lösung kann man im Kommentar nachlesen. Foto: St.-P. Ballstaedt (14.08.2018)

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Schönwendig

In dem Buch „Kleine Geistesgeschichte das Lachens“ dankt der Autor Friedemann Richert im Vorwort seiner Mutter: „Mit ihrem fröhlichen Lachen hat sie meiner Familie und mir das Leben in seiner Schönwendigkeit nahegebracht.“ Schönwendigkeit? Das Wort habe ich noch nie gehört oder gelesen. Es der Versuch einer Übersetzung aus dem Altgriechischen: Eutrapelia ist eine Tugend gesitteter und gebildeter Männer, die Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik beschreibt: „Gewisse Scherze nämlich geziemt es sich wohl für einen solchen Mann zu machen und anzuhören; es ist ein Unterschied zwischen dem Scherz vornehmer und roher, dem Scherz gebildeter und ungebildeter Personen.“ – „Die aber angemessen zu scherzen wissen, heißen „eutrapeloi“, das bedeutet wohlgewandt, da sie sich wohl zu wenden wissen.“ Schönwendig bedeutet, dass man sich dem Schönen zuwendet und das Ordinäre meidet. Ob man da noch viel zu lachen hat? (09.08.2018)

Aristoteles lachte nur schönwendig, nicht unter seinem Niveau. Römische Kopie nach einer Skulptur des Bildhauers Lysippos. Rom, Palazzo Altemps. Quelle: Wikimedia Commons.

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Historischer Humor 8

Es ist sonderbar, dass der Furzwitz, englisch eleganter „flatulence humor“, wohl eines der ältesten Themen zur Erheiterung darstellt. Schon der angeblich erste dokumentiere Witz auf einer sumerischen Tontafel behandelt eine unschickliche Blähung.

In der griechischen und römischen Antike wird das Thema breit behandelt (allerdings in der Sammlung “Humor in der Antike“ von Karl-Wilhelm Weeber diskret ausgespart). Besonders in den Komödien findet man viele Kapifu-Stellen. Hier ein Beispiel aus der ersten Szene aus Aristophanes „Die Wolken“: Der Philosoph Sokrates erklärt dem begriffsstutzigen Bauern Strepsiades, wie ein Gewitter entsteht. Die Übersetzung von Ludwig Seeger wirkt etwas kindlich und verstaubt.

Sokrates:  Nun, so merk einmal auf: an dir selber mach’ ich’s dir deutlich.
Ist dir’s nie an den Panathenaien passiert, daß dein Magen, mit allerlei Brühen
Überfüllt, dir mit Knurren Molesten gemacht, mit Reißen und Blähn und Rumpumpeln?

Strepsiades: Beim Apollon, gar oft; und da währt es nicht lang, und es wurmt mir und fährt durch die Därme.
So ‘ne lumpige Brüh’, die verführt einen Lärm und tut akkurat wie der Donner:
Erst halblaut nur: bumbum, bumbum, dann vernehmlicher schon: bububumbum!
Bis donnernd gerad wie die Wolken zuletzt es herausfährt: bubububumbum!

Sokrates: Drum sieh: wenn dein Bäuchlein, winzig und klein, so gewaltige Bumbums herausfarzt,
Wie entsetzlich muß erst im erhabenen Raum rumoren das Rollen des Donners?

Strepsiades: Ich verstehe: drum sind sich auch Donner und Furz so ähnlich im brummenden Tone!

Auch in anderen Stücken von Aristophanes wird heftig gefarzt. Leider sind keine erzählten Witze aus der Antike überliefert. (01.08.2018)

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Zugschwächung

Das Wort fand ich in der Zeitung mit der überraschenden Definition: Wenn sich Fahrgäste in zu wenige Fahrzeuge quetschen müssen, dann nennt man das in der Bahnterminologie eine Zugschwächung. Verständlich wird das Kompositum, wenn man vom Gegenteil ausgeht: Bei einer  Zugstärkung werden zusätzliche Züge und/oder längere Züge eingesetzt, bei einer Zugschwächung fallen Wagen aus. (26.07.2018)

Bahnschild an der Usedomer Bäderbahn in Zinnowitz am 02.07.2012. Foto: Siegfried Heße auf http://www.bahnbilder.de (mit freundlicher Genehmigung)

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Dress Code

Piktogramme am Eingang zur Metekhi-Kirche in Tblisi (Tiflis) Georgien. Vor allem für Frauen nur auf den zweiten Blick verständlich. Foto: Max Steinacher (21.07.2018)

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