Of all affairs,
communication is the most wonderful.

John Dewey

 

Willkommen!

Mein Blog beschreibt, analysiert und bewertet Phänomene unserer Kommunikationskultur. Er soll die Augen und die Ohren für unsere sprachliche und visuelle Umwelt schärfen. Für mich ist er eine zwanglose Spielwiese für zufällige Entdeckungen und anfallende Gedanken. Man kann meinen Blog abonnieren.

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Burkini

Wenn es noch eines Beweises gebraucht hätte, dass auch die Kleidung semiotische Bedeutung hat, dann wären es jetzt die Debatten über den Burkini und andere Kleidungsstücke, die den Körper stark verhüllen. Während ich noch verstehen kann, dass in kommunikativen Berufen – wie z. B. Lehrerin – eine gesichtsverdeckende Burka oder Niqab ein Problem darstellen, verstehe ich nicht, warum man gegen den Burkini vorgeht.

Beim Verbot des Burkini an der Côte d’Azur geht es nicht um das Gesicht, sondern um eine Kleiderordnung. Am Strand von Nizza haben vier (!) Polizisten eine islamische Frau gezwungen, ihre Kleidung auszuziehen, peinlicherweise war es aber gar kein Burkini, sondern eine normale Tunika. enn man das Verbot damit begründet, dass damit unterdrückte islamische Frauen befreit werden, so ist das eine durchschaubare Rationalisierung. Ein Burkini schützt gegen Sonne und Quallen, aber nicht gegen kulturelle Vorurteile. Eigentlich bleibt es jeder Frau überlassen, wieviel Haut sie zeigt, aus welchen Motiven auch immer. Die europäischen Badeanzüge im 19. Jahrhundert haben auch fast den ganzen Körper verdeckt. (25.08.2016)

Bademode1898

Mit diesen Badeanzügen im Marinestil ging die züchtige Dame 1989 ins Wasser. Dagegen wirkt ein Burkini elegant! Quelle: Wikimedia Commons

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Polizisten

Eine Demonstrantin in Berlin soll 1994 die Parole „Deutsche Polizisten, Mörder und Faschisten“ gerufen haben und wurde unter anderem dafür am 5.8.1999 zu zwölf Monaten Haft zur Bewährung auf vier Jahre wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Staates verurteilt. Der aktuelle Aufkleber klingt lautlich ähnlich und lässt Insider natürlich sofort die ursprüngliche Bedeutung assoziieren. (23.08.2016)

Polizisten

Nicht strafbarer Aufkleber im Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Kundenoffensive

ICE-Toilette

Die von Bahnchef Rüdiger Grube angekündigte größte Kundenoffensive in der Geschichte der Bahn ist angelaufen. In den ICE-Toiletten sind die Fensterchen jetzt mit geschmackvollen Blumenarrangements beklebt, was für ein gediegenes Ambiente in der Verrichtungszelle sorgt. Foto: St.-P. Ballstaedt (21.08.2016)

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Nein! Nicht mit mir!

Das Thema sexueller Belästigung im Schwimmbad ist derzeit sehr aktuell. Die Frauen- und Familienbeauftragte im Landratsamt Bodenseekreis mit dem schönen Namen Veronika Wäscher-Göggerle hat dazu eine Kampagne mit Plakaten und einem Folder entwickelt, das Betroffene ermutigen soll, sich gegen Übergriffe zu wehren. Im Folder werden häufige Belästigungen in Deutsch und Englisch beschrieben und auf Bildern gezeigt. Diese haben einen realistischen Hintergrund, die davor agierenden Personen sind aber so geschickt in roten Strichen stilisiert, dass man keine Zuordnungen zu Hautfarbe, Nationalität oder sogar Geschlecht treffen kann.

Zur Kampagne gehört noch ein Rubbel-Tattoo, mit dem man „ein Zeichen setzen“ soll: Mein Körper gehört mir! Der „kleine temporäre Schutzpatron“ zeigt ein „No!“ mit Flügeln, dahinter Krallen, die blutige Striemen über die Haut ziehen. Diese sollen wohl Wehrhaftigkeit demonstrieren, aber was bedeuten die Flügel? (19.08.2016)

Mein Koerper

Ein Tattoo zum auf die Haut rubbeln mit Flügeln und Krallen. Gute Vorlage für eine Rockerformation. Quelle: Landratsamt Bodensseekreis.

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Erste Hilfe

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Auf einer Mauer in der Schleichstraße im Klinikviertel von Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (17.08.2016)

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Historische Semantik

Die Historische Semantik ist ein Zweig einer hermeneutischen Geschichts- bzw. Kulturwissenschaft, die den historischen Bedeutungsgehalt von Wörtern untersucht: Welche Bedeutungen verbergen sich hinter einem Wort, das z. B. in der Antike oder im Mittelalter verwendet wird.

In der Biografie des Ritters Oswald von Wolkenstein, die Dieter Kühn vorgelegt hat, habe ich ein schönes Beispiel gefunden. Der Biograf macht sich mehrfach Gedanken darüber, ob und wie eine sprachliche Verständigung mit dem spätmittelalterlichen Menschen möglich wäre. Sein Beispiel ist das Wort „Wald“. Wald ist für uns heute eine größere Ansammlung von Bäumen, eine forstwirtschaftliche Nutzfläche, die auch zur Erholung dient und auf der Flora und Fauna genau kontrolliert werden. Im Mittelalter bedeckte Wald beinahe ganz Europa und war nur von wenigen Wegen zwischen Dörfern, Burgen und Städten durchschnitten. Der Wald war dicht und dunkel und es hausten darin gefährliche Wölfe und Bären. Zudem lauerten Räuber im Wald, man war froh, wenn man wieder heil aus ihm herauskam. Das Wort „Wald“ hat also bei Oswald von Wolkenstein ganz andere Konnotationen als bei Dieter Kühn: „Nein, wir könnten uns nicht einmal bei einem Wort wie „Wald“ verständigen, ohne ausführliche Kommentare, längere Demonstrationen. Und das wäre so bei fast jedem Wort, mit dem wir unsere Umwelt bezeichnen, er seine, ich meine.“ (S. 50). Später in der Romantik bekommt der Wald wieder eine ganz andere Bedeutung. (14.08.2016)

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Dicht und undurchdringlich, ein Bannwald im Schwarzwald kann eine Vorstellung von ursprünglichen Wäldern vermitteln. Foto: St.egimal, Wikimedia Commons

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Ernährungstipp

Apfel

An apple a day keeps the doctor away. An der Hauswand in der Hinteren Grabenstraße in Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (12.08.2016)

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Exit

Wenn aus zwei Wörtern eines zusammengebastelt wird, spricht man von einer Wortkreuzung, Wortmischung oder Wortverschmelzung, wer es gern mit einem Fremdwort ausdrückt einer Kontamination oder Amalgamierung. Das entstandene Kunstwort ist ein Kofferwort, Schachtelwort, wer es gern mit einem Fremdwort ausdrückt ein Portmanteau-Wort. Die Wortbildung „Grexit“ aus Exitus (lat. = Herausgehen, Ausgang) und Griechenland hat etliche Nachfolger gefunden, am prominentesten der Brexit. Der Filmemacher Volker Heise sieht aber noch andere politische Möglichkeiten: Euxit (raus aus der EU), Naxit (raus aus der Nato) und für die AfD den Moxit (raus mit den Moslems).(11.09.2016)

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Skript: Mit Bildern instruieren

Noch ein Skript, das ich in der Aus- und Weiterbildung von technischen Redakteuren eingesetzt habe. Es enthält das theoretische Hintergrundwissen für die effektive Gestaltung verschiedener Bildtypen. (08.08.2016)

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Schlüpferstürmer

Unter diesem Namen wurde in Miniaturflaschen ein süßer Likör (Schlehen und Rum) vertrieben, der angeblich als Aphrodisiakum eine enthemmende Wirkung entfalten sollte. Das Etikett zeigt eine entsprechend anzügliche Abbildung. Im Sortiment war auch ein „Busengrapscher“, ein „Blusenöffner“ und ein „Schenkelspreizer“. Derartige Produktbezeichnungen wurden in einem Urteil des BGH vom 18.05.1995 (I ZR 91/93) als diskriminierend und die Menschenwürde der Frau verletzend eingestuft. Die Bezeichnung ist somit sittenwidrig und verboten. Für die Spirituosenindustrie ein harter Schlag. (07.08.2016)

Schluepferstuermer  Wilde_Pflaume

Der „Schlüpferstürmer“ ist verboten, die „Wilde Pflaume“ ist uns noch geblieben. Aber den Dosenöffner sollte man noch unter die Lupe nehmen. Quelle: http://miniaturflaschen.de.tl/Galerie/pic-1000404.htm und http://trade.mar.cx/DE1129440

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