Author Archive | SP Ballstaedt

Noch einmal Sicherheit

Vor einem Jahr habe ich bereits auf die zunehmende Anzahl von Sicherheitshinweise an Baustellen hingewiesen. Heute bin ich an einer Baustelle in meinem Wohnviertel vorbeigegangen und habe  so viele Sicherheitshinweise wie noch nie gesehen. Ganz neu sind für mich die Sicherheitscartoons. Es gibt wohl keinen Ort, an dem man sich sicherer fühlen kann als auf einer Baustelle. Zum Vergrößern ins Bild klicken. Fotos: St.-P. Ballstaedt (16.09. 2021)

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Bunt und harmlos

Am 19. April 2020 habe ich zur Ikonografie der Seuche diese beiden Bilder des Corona-Virus mit folgendem Kommentar versehen: „Unter dem Elektronenmikroskop bleich und unscheinbar, als wissenschaftliches Computerbild bedrohlich“.

Da lag ich völlig falsch, wie ein aktuelle Studie der Autonomen Universität Barcelona in der Online-Fachzeitschrift PLOS One zeigt: Eine Befragung ergab, dass das Virus in einer bunten und dreidimensionalen Abbildung als weniger bedrohlich und ansteckend empfunden wird. Die schwarz-weißen verwaschenen Fotos hingegen wirken eher beunruhigend. PR- und Werbefachleute wird das wenig überraschen. Wer also z.B. Impfgegner überzeugen will, sollte auf bunte Cartoon-Viren verzichten. (14.09.2021)

Guckt zwar grimmig, ist aber nicht ernst zu nehmen. Quelle: Agnes Avagyan: https://www.live-karikaturen.ch

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Hermelinde

Das schöne Spätsommerwetter haben wir dem Hoch Hermelinde zu verdanken. Diesen weiblichen Vornamen habe ich bisher noch nie gehört, aber im 19. Jahrhundert und in Österreich wird er nicht selten vergeben. Was der Vorname ursprünglich bedeutet, darüber habe ich verschiedene Versionen gelesen. Aus dem Althochdeutschen steht „lind“ in viele Namen für „sanft, mild“; Gerlinde =  die Sanfte mit dem Speer; Sieglinde = die sanfte Siegerin. Aber Hermelinde?

Seit 1954 vergibt das Institut für Meteorologie der FU Berlin Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete. Bis 1997 hatten Tiefs weibliche Vornamen, Hochs männliche. Nach Protesten gegen diese Einseitigkeit erhalten seit 1998 die Tiefdruckgebiete in geraden Jahren weibliche und die Hochdruckgebiete männliche Vornamen, in ungeraden Jahren ist dies umgekehrt. Jedes Jahr startet mit dem Buchstaben A, anfangs arbeitete man eine erstellte Namensliste ab, war man mit dem Alphabet durch, dann geht es wieder mit A los. Seit November 2002 kann ein „Wetterpate“ gegen Bezahlung den Namen des jeweiligen Tiefs oder Hochs bestimmen, das ist inzwischen fast immer der Fall. Für ein Hochdruckgebiet muss man 360 Euro auf den Tisch lagen, ein Tiefdruckgebiet ist preiswerter: 240 Euro.

Damit sind die Benennungen geschlechtlich ausgeglichen, allerdings werden sich andere sexuelle Orientierungen im Wetterbericht nicht wiederfinden. (07.09.2021)

Im Bann von Hermelinde. Quelle: https://www.wetterdienst.de

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triftig

Wer sich für Argumentationstheorie interessiert, der bekommt derzeit im Wahlkampf reichhaltiges Material geliefert. Dabei ist mir das Adjektiv „triftig“ aufgefallen, ein Argument ist triftig im Sinne von zwingend, stichhaltig, zutreffend. Wer das Wort einmal bewusst verwendet, der wird auf die Idee kommen, dass es etwas mit „treffen“ zu tun hat und das ist korrekt. „Triftic“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet dort „treffend, das Ziel nicht verfehlend“. Ein triftiges Argument verfehlt also nicht sein Ziel, den Gesprächspartner von einer Behauptung zu überzeugen.

Es gibt ein Substantiv „die Trift“, das bedeutet laut Duden „Weide“ und „Holzflößung“. Wie kommt es zu diesen beiden unterschiedlichen Bedeutungen? Sie leiten sich von „treiben“ ab, auf die Trift wird die Herde getrieben, ein Floß wird durch die Strömung getrieben. Als „Drift“ und „abdriften“ sind diese Wörter seit etwa 1900 in die gehobene Sprache aufgestiegen. (06.09.2021)

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Hanau

Auf Tübinger Mauern und Gehsteigen: Stencils von Opfern der Anschläge in Hanau. Foto: St.-P. Ballstaedt (26.08.2021)

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Ohne Onkel

Jetzt im Supermarkt-Regal: die alte (rechts) und die neue (links) Verpackung einer Reissorte, die vor allem mit Kochbeuteln Erfolg hatte. Der Uncle ist weg und das Logo mit dem Schwarzen mit weißem Haarkranz ebenfalls. Der US-Lebensmittelkonzern Mars Incorporeted hat damit auf Kritik reagiert, dass Name und Bild auf die Sklaverei verweisen und damit rassistisch sind. (21.08.2021)

Schluss mit dem Onkel-Trick: Neuer Auftritt einer alten Marke. Foto: St.-P. Ballstaedt

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T wie Dibinga

Vor ein paar Monaten habe ich bereits berichtet, dass das Deutsche Institut für Normung (DIN) das Buchstabieralphabet überarbeitet. Die bisher verwendeten Vornamen- 16 Männer-  und sechs Frauennamen – sind nicht geschlechtergerecht. Das ließe sich ändern, aber das Institut teilt mit, dass mit Vornamen nicht alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen ausgewogen repräsentiert werden können, für Diverse gibt es z. B. keine Vornamen.

Also Städtenamen. Aber auch hier müssen westdeutsche und ostdeutsche Bundesländer ausgewogen vertreten sein, also mehr Namen aus NRW (7) als aus dem Saarland (0). Jetzt liegt ein Entwurf vor, in dem mit T wie Tübingen und S wie Stuttgart zwei Städte aus Baden-Würrtemberg im Rennen sind. Das Stadtmarketing ist schon angefixt: „T wie Tübingen – das ist gut für das Selbstverständnis der Stadt und stärkt Tübingen als Wirtschaftsstandort und touristisches Ziel.“ (Zitat nach SWP, 17.8.21). Arme Stadt, die im Buchstabenalphabet auftauchen muss, um überregionale Bedeutung zu erlangen. Die endgültige Fassung des Buchstabieralphabets wird nach zwei Jahren Überarbeitung Mitte 2022 erwartet. (18.08.2021)

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Erhabene Akte

Jeder kennt das Gemälde: Die Venus von Botticelli, eine schlanke Nackte, die züchtig eine Hand vor die Brüste und die andere vor die Scham hält. Jetzt hat die ehemalige Porno-Darstellerin und Politikerin Ilona Staller, Künstername Cicciolina, diese Venus nachgestellt, allerdings ungewohnt schamhaft in einem hautfarbenen Ganzkörperkostüm. Das Nachstellen von Kunstwerken mit lebenden Personen (tableau vivant) war Ende des 18. Jahrhunderts ein beliebter Zeitvertreib der Aristokratie und des gehobenen Bürgertums. Die nachposierte Venus ist Teil einer Werbekampagne für Online-Führungen zu erotischen Kunstwerken in berühmten Museen. Cicciolina verspricht: „Einige der besten Pornos aller Zeiten gibt es im Museum.“

Das Gemälde »Die Geburt der Venus« hängt in den Uffizien in Florenz und dort hat man überaus sauer reagiert und gleich die Rechtsabteilung eingeschaltet. Eine strenge Grenzmauer zwischen Pornografie und Aktdarstellungen in der Kunst wird hochgezogen. Die Kunsthistorikerin Eva Clausen verkündet, niemand käme vor so einem Gemälde auf falsche Gedanken oder Vorstellungen, vielmehr finde das Sexuelle in der Kunst eine Erhöhung durch den Geist, der Sexualakt werde zu etwas Erhabenem.

Bei vielen Akten bin ich mir da aber nicht so sicher. Man muss nicht gleich an Rubens oder gar Gustav Klimt und Egon Schiele denken, selbst in mittelalterlichen Darstellungen religiöser Themen sind doch recht erotische An- und Einsichten üblich, man kann durchaus den Eindruck gewinnen, das religiöse Thema ist nur vorgeschoben, um etwas Anregendes zu zeigen. Was in den Gehirnen der Betrachtenden dann abgeht, das bleibt verborgen. Also nicht gar so streng mit der neuen Kunsttheoretikerin! (04.08.2021)

Ilona Staller alias Cicciolina setzt sich für eine neue Kunstbetrachtung ein. Foto: Certo Xornal 2009, Wikimedia Commons.

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Gendersensibel

Im Web habe ich einen Aufsatz von Kristina Bedijs gefunden, sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Studienzentrum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD):

Kristina Bedijs: Schlägt Verständlichkeit Diversität – oder schafft Diversität Verständlichkeit. Zu Möglichkeiten und Grenzen gendersensibler Sprache in der Leichten Sprache. Trans-kom 14 (1), 2021, 145-170.

Der Titel beschreibt das Anliegen der Autorin: Sowohl die Leichte Sprache wie eine gendersensible Sprache wollen mehr Inklusion. Aber es gibt ein Problem zwischen beiden Ansätzen: Die Leichte Sprache hat eine optimale Verständlichkeit zum Ziel, um eine barrierefreie Kommunikation mit Personen zu erreichen, die aus verschiedensten Gründen Probleme mit dem Verstehen von Texten haben. Eine gendersensible Sprache führt aber häufig zu komplexeren, d.h. schwerer verständlicheren Texten. Deshalb gilt dort die Regel, dass Verständlichkeit vor politischer Korrektheit Priorität hat. Die Autorin möchte nun aufzeigen, dass auch innerhalb Leichter Sprache sowohl gendersensibel als auch verständlich formuliert werden kann und unterbreitet dazu Vorschläge Soweit, so gut.

Im Aufsatz werde ich kritisch zitiert: „Bei Ballstaedt (2019) heißt es sogar allen linguistischen Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte zum Trotz: „Man sollte sich rückbesinnen, dass mit dem generischen Maskulinum eine Gattung oder Gruppe bezeichnet wird, in der das biologische Geschlecht, welcher Art auch immer, keine Rolle spielt““. Hier muss ich etwas richtigstellen:

  1. Ich habe in meinem Buch die Position vertreten, dass ich das Gendern durchaus für richtig halte: „Versteht man die Adressatenorientierung als Grundprinzip professioneller Kommunikation, dann ist das Anliegen der feministischen Linguistik, Frauen sprachlich sichtbar zu machen, durchaus berechtigt.“ (S. 76).
  2. Ich habe aber darauf aufmerksam gemacht, dass das Gendern nicht auf Kosten der Verständlichkeit gehen darf und habe zu drastische und ungewohnte Eingriffe in die Sprache deshalb abgelehnt.
  3. Das generische Maskulinum ist zwar vielen Linguistinnen ein Dorn im Auge, aber in der Grammatik ist es nun einmal vorhanden und zwar für Situationen, in denen das Geschlecht entweder unbekannt, nicht von Bedeutung oder im Plural gemischt ist. Ich sage z.B.: „Morgen kommt zu mir der Handwerker“, auch wenn es eine Handwerkerin oder eine diverse Person sein kann (was mir bei der Reparatur völlig schnurz ist).
  4. Soweit die Grammatik. Das kognitive Problem mit dem generischen Maskulinum habe ich vor dem kritisierten Zitat ausdrücklich beschrieben und die empirischen Untersuchungen dazu referiert: Bei der männlichen Form denken die meisten Personen tatsächlich eher an Männer als an Frauen. Deshalb sollte man das generische Maskulinum auch in bestimmten Kommunikationskontexten vermeiden, z.B. in der Frage: „Welche Schauspieler gefallen dir am besten?“

Fazit: Den Forschungsstand habe ich korrekt referiert, aber mich vielleicht nicht ganz klar ausgedrückt. (02.08.2021)

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Böser Wolf

Bei diesen heute entdeckten gesprühten Bildern frage ich mich, wo die drei kleinen Schweinchen sind?. Foto: St.-P. Ballstaedt (25.07.2021)

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