Ecclesia und Synagoga

Noch ein Beispiel der christlichen Ikonografie des Mittelalters: die symbolische Darstellung des Christentums und des Judentums durch zwei Frauenfiguren. Das Paar flankiert oft eine Darstellung Jesu im Bogenfeld des Kirchenportals. Die Ecclesia ist eine schöne, stolze und aufrechte Frau, meist mit einer Krone als Herrschaftszeichen sowie einem Kreuz und einem Kelch als Zeichen für das Christentum. Daneben steht die Synagoga in eingefallener Haltung mit verbundenen Augen in einem abgewandten Gesicht. In der einen Hand hält sie eine gebrochenen Lanze, in der anderen manchmal eine entgleitende Torarolle oder Gebotstafeln, auf dem Boden liegt eine Krone.

Mit den beiden Figuren wird die Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Judentum visualisiert. Das ist keine so drastische Beleidigung wie die Judensau, aber einen deutliche Herabsetzung der jüdischen Religion. Die Darstellung der Synagoga hat sich über die Jahrhunderte ausschließlich zum Negativen verändert, sie wurde häßlich und verkommen dargestellt. Das ist ein frühes Beispiel, wie mit Bildern als visuelle Argumente (Kirchen-)Politik gemacht wird. (16.06.2022)

Dieses Figurenpaar der Ecclesia und Synagoga befindet sich an Notre-Dame in Paris. (zum Vergrößern ins Bild klicken). Quelle: Wikimedia Commons

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