Frühlingsfest

Jetzt hat es einige Schausteller auf dem Cannstatter Frühlingsfest erwischt. Besucherinnen haben mit Entsetzen entdeckt, dass an manchen Fahrgeschäften Frauen in sexistischer Weise dargestellt sind. Die Motive der Schausteller- oder Kirmes-Malerei in Airbrush-Technik mit knalligen Farben und karikaturhaften Überzeichnungen gehen auf die Pin-ups und die Kinotransparentmalerei zurück: Frauen in erotischen Posen, die Brust und Hintern betonen, tiefe Dekolletees und gern Frauen, denen der Wind das Kleidchen lüftet oder ein Dund das Röckchen runterzieht. Nach einem klärenden Gespräch haben die betroffenen Schausteller zugesagt, diese Motive übermalen zu lassen.

Bilderverbote sind immer interessante Indikatoren für zivilisatorische Prozesse, aber betrüblich ist es schon, dass diese markante Malerei zensiert wird. Gar kein Zweifel, dass Frauen hier als sexuelle Objekte abgebildet sind, aber auch die Männer werden nicht besonders schmeichelhaft als gewaltbereite Muskelpakete gezeigt. Und erst auf den Geisterbahnen: Was wird da an Außendekoration den Kindern an weiblichen Hexen und männlichen Monstern zugemutet. Auch hier ist noch Handlungsbedarf. (08.05.2022)

Muss man Waffeln mit Eiscreme so anbieten? Eigentlich nicht, aber sollte man es übermalen? Foto: in memoriam Wolfgang Scherer.

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar

zehn − sieben =