Graffiti

Der Tübinger Gemeinderat hat beschlossen, mehr gegen Graffiti in der Stadt zu unternehmen. Da ich seit Jahren Graffiti in Tübingen dokumentiere, meine Meinung dazu: Dass der öffentliche Raum auch zur Kommunikation genutzt wird, gerade auch für subversive Botschaften, spricht für eine kulturell lebendige Stadt. Wer sich daran stört, sollte bedenken, dass uns ja an jeder Bushaltestelle und auf Großplakaten Werbung aufs Auge gedrückt wird. Manche triste Betonwand kann durch Street Art oder Urban Art durchaus gewinnen.

Aber in Tübingen treiben etliche Sprayer ihr Unwesen, die weder eine Botschaft haben, noch das geringste Talent zur Gestaltung, noch ein rudimentäres ästhetisches Empfinden. Es sind nur Schmieranten, die jede Fläche narzisstisch nutzen, um wenigstens einen hässlichen Tag zu anzubringen. Das Bedürfnis des Menschen, eine Spur zu hinterlassen, ist wahrscheinlich ein evolutionärer Ursprung der Kunst. Den elementaren grafischen Akt kann man bei Kindern beobachten, die gern kratzen, malen und schmieren.

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Auch Kotschmieren, das bei Kindern mit eingeschränkten Handlungs- und Kommmunikationsmöglichkeiten auftritt, um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten. Viele Zeichen an Mauern, Wänden und Verteilerkästen erinnern in Farbwahl wie Gestaltung an dieses kindliche Verhalten. Foto: St.-P. Ballstaedt (14.11.2014)

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