Happy Hirn

Das ist der etwas einfältigeTitel eines Buches des Neuropsychologen Ben Rein an der Stanford University. Er vertritt eine These, der wohl niemand ernsthaft widersprechen wird: In der Evolution haben wir nur in Gruppen überlebt, deshalb sind Interaktion und Empathie zentrale Bereiche unserer Existenz. Empathie als die Fähigkeit, die Gefühle unserer Mitmenschen zu verstehen, und Interaktion der gemeinsame Kontakt bei Bewältigung zahlreicher Probleme. Dr. Rein diagnostiziert eine zunehmende soziale Diät, da in vielen Bereichen die Interaktion mit Menschen abnimmt: Wir holen unser Geld vom Automaten, nicht mehr vom Bankschalter, wir reden nicht mehr mit dem Briefträger, wir arbeiten zuhause im Home Office und in Videokonferenzen statt unter Kollegen und Kolleginnen, wir beschäftigen uns im Bus mit dem Smartphone, statt ein Gespräch zu beginnen, wir kaufen online ein, statt an der Kasse zu plaudern usw. Die derzeit überall beklagte Einsamkeit hat hier eine Wurzel in der Abnahme direkter sozialer Kontakte. Das beeinträchtigt auch unsere Empathiefähigkeit. Unser Gehirn ist nur happy, wenn es mit anderen Gehirnen im direkten Austausch steht. So erstaunlich und sensationell, wie Dr. Ben Rein diese Erkenntnisse anpreist, sind sie wahrlich nicht. (01.12.2025)

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