Myzel

Das Bild oben auf dem Screen ist ein verfremdetes Pilzmyzel. Als Pilzsammler kam mir beim Entwurf meiner Website der Gedanke, dass das weit verzweigte Netzwerk im Boden sich als visuelle Metapher für Kommunikation eignet. Das, was wir verbraten und verkochen, sind ja nur die Fruchtkörper, die aus dem Myzel herauswachsen. Jetzt ist ein lesenswertes Buch eines Biologen über Pilze erschienen:

Merlin Sheldrake: Verwobenes Leben. Wie Pilze unsere Welt formen und unsere Zukunft beeinflussen. Berlin: Ullstein, 2020

Wie oft bei Forschern, die sich einem Thema verschreiben, neigt er zu einer überhöhten Bewertung der Pilze, DER SPIEGEL nennt ihn den „Hohepriester der Pilze“. Vielleicht hat er zu oft Pilze mit Psilocybin vernascht, die ihm nach eigener Ausssage eine Pforte in ein anderes Bewusstsein geöffnet haben. Seine Erkenntnisse rechtfertigen meine Entscheidung für die visuelle Metapher: Das verborgene Netzwerk im Boden kann sich über Kilometer erstrecken und ist vor allem mit Bäumen symbiotisch verknüpft, über die Verbindungen werden Informationen weitergeleitet, z.B. über den Schädlingsbefall eines Baumes. Das Netzwerk nimmt Einflüsse von außen wahr und kann auf sie reagieren, obwohl es über kein Gehirn als Steuerzentrale verfügt. Aber vielleicht ist das Netzwerk ja das Gehirn, eine Idee, die sicher zu einem guten Science-Fiction-Roman oder -film taugt. (05.10.2020)

Myzel eines Austernpilzes auf Kaffeesatz. Foto: Tobi Kellner, Wikimedia Commons

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