Netzsprache

Dass in Facebook, Twitter, WhatsApp und anderen sozialen Netzwerken eine verluderte Sprache benutzt wird, gehört zu den gängigen Urteilen über die neuen digitalen Kommunikationsformen. Tatsächlich weicht die Sprache von der üblichen Kommunikation ab: neue Wortschöpfungen, Akronyme und Abkürzungen, Ellipsen (unvollständige Sätze), Inflektive (seufz, grübel), Emojis usw. Im Stil ist die Netzsprache mehr von der Sprechsprache als von der Schriftsprache geprägt. Man darf nicht vergessen: Sprache ist ein Werkzeug zur Kommunikation, kein ästhetisches Objekt. Wenn die Verständigung funktioniert, hat sie ihren Zweck erfüllt. Die Menschen passen die Sprache an ihre kommunikativen Bedürfnisse an und man sollte die kreativen Aspekte des Netzstils nicht übersehen. Deshalb den Verfall der Sprache zu beklagen, ist recht voreilig. Darauf hat jetzt wieder die Germanistin Eva Gredel aufmerksam gemacht, sie ist Sprecherin des Wissenschaftsnetzwerks „Diskurse digital“.

Allerdings ist Sprache auch eine Denkhilfe, mit der wir Ordnung in unsere Gedanken und Gefühle bringen und sie äußern können. Die im Netz verbreitete Vulgär- und Hass-Sprache zeigt, was für Köpfe sich hier verbreiten. „Digitale Plattformen sind ein sozialer Raum, an dem gesellschaftliche Entwicklungen sprachlich beobachtbar werden“, so Eva Gredel. Was sonst nur in Kneipenhinterzimmern und bestimmten Gruppen ausgesprochen wird, das wird hier öffentlich. Die Gesellschaft wird dadurch transparenter. (19.11.2016)

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