Vintage-Wörter

Der neue Duden in der 28. Auflage wirbt mit 3000 neuen Wörtern, die letzte Auflage vor drei Jahren ging mit 5000 neuen Wörtern an den Start. Neu dabei sind zum Beispiel: Mikroplastik, Klimanotstand, Unverpacktladen, Repaircafé, Dachbegrünung, Alltagsrassismus, Hasskommentare, Genderstern, Insektensterben, , Geisterspiel, Elektroscooter, helikoptern, Flugscham, Wildpinkler, Shishabar, Herdenimmunität, Atemschutzmaske, Social Distancing, Lockdown.

Die Anglizismen ärgern natürlich wieder die Sprechpfleger. Tatsächlich trifft ja Abstandhalten oder Abstandsgebot den Sachverhalt besser, denn in Distancing schwingt die Bedeutung „Distanzieren“ mit. Das Homeschooling hat man auch nicht aufgenommen, dafür den Hausunterricht.

Demgegenüber stehen etwa 300 Wörter nicht mehr im Duden, sie wurden aussortiert. Ein paar, genau 38, hat die Dudenredaktion bekanntgegeben, darunter die Niethose un der Hackenporsche und das altmodische Adverb dahier. Die komplette Liste rückt der Duden nicht raus, denn mit der kann man ja schöne Publikationen machen:

Peter Graf: Was nicht mehr im Duden steht. Eine Sprach- und Kulturgeschichte. Mannheim: Dudenverlag, 2020.

Dort findet man die fehlenden Wörter kommentiert auf der Seite 223. Hier eine Auswahl: Beilager, Botenfrau, Bürgersmann, Dorfschöne, Ehegespons, Eheweib, Frauensperson, Jägersmann, Jungfernkranz, Kammerjungfer, Kebsweib, Lehrmädchen, Mordbube, Pilgersmann, Türsteher, Zofendienst. Na, was fällt da auf?

Die  genannten Beispiele machen deutlich:  Wortverluste und Wortneuheiten spiegeln Trends in Kultur und Gesellschaft. Anhand des Sprachwandels könnte man eine Kulturgeschichte schreiben. (20.08.2020)

Das ist der Vorgänger des Büchleins über ausgemusterte Wörter: Wortfriedhof. Wörter, die uns fehlen werden. Foto: St.-P. Ballstaedt

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