Greisengemurmel

Milan Kundera hat nach vielen Jahren mit 85 einen Roman geschrieben: „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“. Ich habe das Buch gestern gelesen und halte die zusammengeleimten Szenen für keinen großen Wurf. Aber es ärgert mich, dass Wolfgang Höbel in seiner Kurzrezension im KulturSPIEGEL (März 2015) das Alterswerk als „Greisengemurmel“ abtut. Ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren auch die Romane „Exit Ghost“ von Philip Roth und „Ein liebender Mann“ von Martin Walser als peinliche Degenerationsliteratur bezeichnet wurden. In der TAZ schrieb Wiebke Porombka: „Deshalb bleibt es, bei allem gebotenen Respekt für die Alten, legitim zu fragen, ob man so was wirklich lesen will.“ Bei den unzähligen Romanen über Pubertät, Jugendprobleme, Midlife Crisis, Wechseljahre, Krankheiten, gescheiterte Ehen usw. fällt doch auf, dass jede Nuance der Befindlichkeit bei jüngeren Menschen einen Roman wert ist, die Befindlichkeit älterer Menschen aber offenbar nicht. (02.03.2015)

3 Kommentare to Greisengemurmel

  1. SP Ballstaedt 10. März 2015 at 14:22 #

    Ich habe alle Romane von Kundera gelesen, von diesem bin ich enttäuscht. Es ist eigentlich kein Roman, sondern es sind mit einem konstruierten Band zusammengehaltene Einzelszenen, einige durchaus amusant, aber die Erzählkunst des Autors vermisse ich. Also eine hymnische Besprechung wäre von mir nicht zu erwarten.

  2. wolfgang scherer 10. März 2015 at 13:16 #

    Steffen, wenn es Dich tröstet: Die Leipziger Volkszeitung vom 4. März hat eine lange, nahezu hymnische Besprechung dieses Buches veröffentlicht. Sie endet wie folgt: „Milan Kunderas Heiterkeit ist schlau. Er macht das Lachen zum Echo des Geplappers. Sein Übertreiben bis zur Kenntlichkeit ist ein großes Vergnügen, wenn das Groteske der Tragödie Beine macht. Oder eben Flügel. Aus denen Federn fallen.“

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  1. Seniorenfilme | Steffen-Peter Ballstaedt - 21. Dezember 2015

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