Joke Day

Heute ist der Tag des Witzes, den ein Amerikaner 1994 als PR-Gag eingeführt hat, um seine Witzbücher besser zu verkaufen. Derartige Thementage sind eigentlich albern (heute ist auch der Tag der Ingwerplätzchen, der Chickenwings und der Litfaßsäule), aber für den Witz ist ein Gedenktag angebracht. Denn es handelt sich vielleicht um eine ausstehende Textsorte. Witze betreffen meist einen Personenkreis oder eine Minderheit, sie verspotten Personen des öffentlichen Lebens, sie verletzen religiöse Gefühle und geltende Werte. In Zeiten der Wokeness ist es riskant, einen Witz zu erzählen, bei dem sich wirklich niemand beleidigt, verletzt oder angegriffen fühlt. Vielleicht gehen noch ein paar harmlose Pupswitze und Tierscherze durch. In der heutigen FR habe ich einen Witz gefunden, der zwar auch eine Personengruppe aufs Korn nimmt, aber noch akzeptabel ist:

Eine Dichterlesung dauert schon sehr lange. Als der Autor bemerkt, dass viele seiner Zuhörer bereits eingeschlafen sind, sagt er: „Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe leider keine Uhr dabei.“ Eine Zuhörerin wird wach und sagt: „Aber hinter ihnen hängt ein Kalender.“

In Tübingen hat man alte Witze gesammelt, in denen oft die Weinbauern (Gogen) und die Herren Professoren gegenübergestellt werden. Ein Beispiel:

Ein Professor erzählt einem Gogen, dass er jeden Abend vor dem Einschlafen seine Gedanken zu Papier bringe und zwar schon seit zwei Jahren. Da meint der Gog: „Do werdet Se wohl beinah a halbe Seit voll hao.“

Die Gogen sind ausgestorben, da kann man über sie Witze reißen, und die Professoren haben genug Selbstbewusstsein, um diesen Scherz zu verkraften. (01.07.2026)

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