Author Archive | SP Ballstaedt

Historischer Humor 4

Völlig ausgestorben und witzlos geworden sind Witze über freches und unfähiges Personal, die im 19. Jahrhundert weit verbreitet waren. Hintergrund war der Standesunterschied. Meist mäkelte die Hausherrin an Magd, Köchin oder Kindermädchen herum, die sich vor allem erotische Freiheiten herausnahmen, die ihrer weiblichen Herrschaft verwehrt waren. Der Hausherr hatte hingegen oft einen Hang fürs Küchenpersonal (14.05.2016).

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Zwei Bildwitze aus den Meggendorfers Humoristischen Blätter aus dem Jahr 1893, aus Band XII, Nr. 114 und aus Band XIII, Nr. 121. Scans: St.-P. Ballstaedt

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Sparkasse

Das rote Logo mit dem Punkt über dem S ist bekannt und wird für verschiedene Finanzierungsangebote abgewandelt. Der rote Punkt bleibt, aber aus dem S wird ein Schemabildch mit symbolischer Bedeutung: Bei „Weltweit ist einfach“ ist das ein Globus, bei „Wachsen ist einfach“ eine Gießkanne. In der Wahrnehmung führt der Punkt dazu, dass das Gesamtlogo spontan als Männchen interpretiert wird: beim Globus eine Person mit Blähbauch, bei der Gießkanne ein Mann mit starkem Harndrang. Zudem denkt man an hier das Gießkannenprinzip der Verteilung, eher eine negative Assoziation. (13.05.2016)

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Die prägnante Wahrnehmung durch die Gestaltprinzipien macht aus den beiden Komponenten eine Figur. Quelle: Sparkasse

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Glauben

Das Verb „glauben“ wird im Duden etwas stiefmütterlich behandelt, dabei hat es eine bemerkenswerte Semantik von der Vermutung bis zur Gewissheit (im Grimm’schen Wörterbuch sind dem Verb viele Seiten gewidmet): 1. In der Alltagssprache ist „glauben“ ein Synonym für „vermuten“: Es kommt oft anders, als man glaubt. 2. In einer zweiten Bedeutung verfestigt sich „glauben“: Obwohl es nur eine Vermutung ohne Beweis gibt, glaubt man es: Credo, quia absurdum est, ich glaube, weil es unvernünftig (eigentlich lt: falsch, ungereimt) ist. Glauben wird zum Bekenntnis gegen die Vernunft. 3. Schließlich meint „glauben“ im religiösen Sinn den Glauben an etwas unbedingt Wahres, etwas Offenbartes, Dogmatisches, Fundamentalistisches, ein Bekenntnis: Ich glaube an den Heiligen Geist…. Glauben kann man an Götter, Gott, Teufel, Geister, aber auch an die Schöpfung, die Dreifaltigkeit, die Unsterblichkeit, die Zehn Gebote, eine jungfräuliche Geburt usw., es gibt keine Beschränkung. Der substantivierte Glaube kann gefährlich werden: Wer nicht glaubt, der muss manchmal daran glauben! (12.05.2016)

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Freiheit statt Sport

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Für Freiheit und gegen Sport, gesprayt und gezeichnet an der Wand der Turnhalle eines Tübinger Gymnasiums. Der Spruch „…von Freiheit nicht genug…“ stammt aus einem Song der Berliner Band „Tapete“, das Video steht auf Youtube. Foto: St.-P. Ballstaedt (10.05.2016)

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Liebesleben

Jetzt überall großflächig plakatiert: Die neue Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für Safer Sex. Jetzt liegt der Fokus nicht mehr auf Aids, sondern auf sexuell übertragbare Krankheiten überhaupt, denn die Zahl von Infektionen steigt. Die Cartoons sind überraschend explizit und witzig.

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Zwei Motive der Kampagne „Liebesleben“, sie werden sicher bei Kindern interessante Fragen an Papa und Mama auslösen. Quelle: Liebesleben. Auf der Site gibt es auch einen Kondometer, mit dem man die Konfektionsgröße für seinen Penis bestimmen kann. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. (06.05.2016)

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Hundehäufen 2

Schild_Hundehaufen_1   Mücke-Atzenhain: Verbotsschild Hundehaufen (am Großen Holzwiesenteich)

Bereits auf Piktogrammen kann die Gestaltung des Kackverbots sehr unterschiedlich sein: Man vergleiche die geschäftliche Verrichtung links mit dem frechen Scheißer rechts.

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Während Piktogramme ein Verbot direkt visualisieren, sind ikonische Darstellungen indirekt, ihnen fehlt die symbolische Verneinung. Damit öffnet sich eine breite Palette an Gestaltungsmöglichkeiten, die sich um Witz und Humor bemühen. Quellen: Wikimediaa Commons, St.-P. Ballstaedt (05.05.2016)

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Historischer Humor 3

Schwiegermutterwitze kommen Anfang des 19. Jahrhunderts auf, der erste Beleg stammt 1845 aus den Fliegenden Blättern, einem Witzblatt für gutbürgerliche, biedermeierliche Adressaten. Dabei handelt es sich immer um die Mutter der Ehefrau, also um Konflikte zwischen dem Ehemann und seiner Schwiegermutter. Mit der Aufklärung war die Liebesheirat freier und selbstbestimmter Personen ein Ideal, dem die realen Eheschließungen nicht immer entsprachen. Die Geldheirat einer sozial höherstehenden und wohlhabenden Frau war keine Seltenheit. Der patriarchalische Hausvater war damit aber nicht nur finanziell, sondern auch psycho-sozial abhängig von Ehefrau und eben ihrer Mutter als Vertreterin der Herkunftsfamilie. Entweder wohnt sie im Haushalt oder kommt – oft überraschend – zu Besuch. Schon Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge schrieb ungewohnt scharf: „Allein bete, dass der Himmel Dich bewahre vor solchen alten Hexen von Schwiegermüttern, die alles wissen, alles tun und, wenn sie auch dumm wie das Vieh sind, dennoch alles dirigieren wollen.“ (1796, S. 75). Daraus entwickelte sich ein Witzstereotyp, das bis heute angewendet wird.

Wissen Sie, Frau Schwiegermutter, was für ein Unterschied zwischen einem Knödel und uns zwei ist? Der Knödel raucht, wenn er heiß wird, und Sie werden heiß, wenn ich rauche!“ (Fliegende Blätter 28, 1858, Nr. 670, S. 142)

Mieterin: „Die Waschküche ist schön! Aber haben Sie auch einen Speicher zum Wäscheaufhängen?!“ – Hausherr: „Allerdings! Doch das muss ich Ihnen gleich sagen: hier lasse ich nur meine Schwiegermutter aufhängen!“ (Fliegende Blätter 84, 1886, Nr. 2121, S. 94)

Soweit zwei Witzbeispiele. Das erste thematisiert die familiäre Stellung des Ehemannes, der sich Verhaltensvorschriften unterwerfen soll. Der zweite Witz benutzt das verselbstständigte Stereotyp der bösen Schwiegermutter, ein konkreter Konflikt wird gar nicht mehr angesprochen. (04.04,2016)

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Mit Bart, aber noch immer vorhanden: Die Schwiegermutter mit Nudelholz als Witzfigur. Foto: Max Steinacher.

Quelle: Nobert Neumann (1986): Vom Schwank zum Witz. Zum Wandel der Pointe seit dem 16. Jahrhundert. Frankfurt/New York, Kapitel 6.

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Bäm

Das Motiv von Bruce Lee gibt es auf Premium-T-Shirts im Web zu kaufen, also vermutlich sind die Stencils eine Werbekampagne. Das lautmalende (onomatopoetische) Wort „bäm“ gehört(e) zur Jugendsprache und bedeutet so viel wie „cool oder „endgeil“, es stand 2009 auf Platz 2 der Jugendwort-Aktion des Langenscheidt-Verlags. Wie fast alle Jugendworte war „bäm“ umstritten, denn viele Jugendliche benutzen das Wort nicht oder kennen es gar nicht. (02.05.2016)

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Das Stencil habe ich an einem Telefon-Schaltschrank im Stadtteil Wanne in Tübingen gefunden. Foto: ST.-P. Ballstaedt

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Creative Colouring

Nach Zentangle ein neuer Mal-Trend, wieder aus Amerika und wieder als Therapie gegen Stress angepriesen: Erwachsene malen Strichbilder aus. Anders als bei den Mandalas gibt es verschiedenste Motive, von Gemälden von van Gogh bis zu Märchen und Fantasy. Kreativ ist dabei nur die Auswahl der Farbstifte, wenn man einen größeren Kasten von Faber-Castell, Staedler oder Lyra besitzt. Der Rest ist das brave Beachten von Strichbegrenzungen. Aber besser Buntstifte als Schwarzmalerei. (01.05.2016)

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Vorlage aus Enchanted Forest von Johanna Basford ausdrucken und ausmalen. Malbücher für Erwachsene stehen bei Amazon auf der Bestsellerliste Quelle: Amazon

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