Author Archive | SP Ballstaedt

Gniedeln

In einer Rezension der Tournee „Mitten im Leben“ von Udo Jürgens schreibt Volker Schmidt heute in der Frankfurter Rundschau: „Im Lied ‚Der gläserne Mensch’ darf der Gitarrist aus dem Orchester, Pepe Lienhard, ein verzerrtes Solo gniedeln.“ Das Verb „gniedeln“ habe ich noch nie gehört oder gelesen, also wird recherchiert. Und tatsächlich, das Wort ist selten, aber nicht ungebräuchlich. Es stammt aus dem Nordostdeutschen und bedeutet „ein Streichinstrument schlecht spielen“. Das abgeleitete Adjektiv „gniedelig“ bedeutet „kratzig“. Und ich finde noch eine Belegstelle am 31.12. 2010 in der FR-online, diesmal von Jens Balzer: „ […] Ensembles wie das Animal Collective, die das seit Hippie-Zeiten stigmatisierte endlose Daddeln und Gniedeln wieder in den Pop einführten.“ Das hübsche Wort übernehme ich hiermit in meinen aktiven Wortschatz. (03.11.2014).

2

Schilderwald 2

Schilderwald2

Häufung von sprachlichen und visuellen Symbolen in den Rheinauen bei Burkheim am Kaiserstuhl. Man könnte von einer semiotischen Umweltverschmutzung sprechen. Foto: St.-P. Ballstaedt (01.11.2014)

0

Hans Hillmann

Es war einmal eine Zeit, in der Filme mit grafisch anspruchsvollen Plakaten beworben wurden. In einer Papprolle habe ich einige schon etwas ramponierte Filmplakate von Hans Hillmann aufbewahrt. Er hat vor allem für die Neue Filmkunst Walter Kirchner gearbeitet. Hans Hillmann ist am 4.5.2014 verstorben. (29.10.2014).

Hillmann

Diese Filmplakate hingen (unter anderen) in meinem Büro an der Hochschule. Foto: St.- P. Ballstaedt

0

Gecko

Gecko  IMG_0561

Frisch gesprayt auf Wänden und auf dem Trottoir in Tübingen auf Waldhäuser-Ost. Foto: St.-P. Ballstaedt (27.10.2014).

1

Lektüre zur Kommunikation

Pörksen, Bernhard & Schulz von Thun, Friedemann (2014). Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens. Heidelberg: Carl- Auer Verlag

Eine bestechende Idee: Wissenschaftler schreiben nicht übereinander, referieren und kritisieren sich, sondern treten in einen Dialog ein. Hier der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und der Kommunikationspsychologie Schulz von Thun. Aber über weite Strecken ist Pörksen nur ein Stichwortgeber, der Schulz von Thun die Gelegenheit offeriert, seine Ansätze noch einmal ausführlich darzustellen. Und Pörksen spart nicht mit Verstärkern, die sein Gegenüber anspornen. Wer den Meister gelesen hat – und wer hat das nicht – bekommt über viele Seiten eine Nachhilfe zum Verständnis. Die Selbstdarstellung ist sympathisch, vor allem verleugnet Schulz von Thun nicht, dass er auf den Schultern von Riesen steht. Er ist ein geschickter Eklektiker, der seine Ideen auch selbst als „Kombinationsprodukt“ bezeichnet: Das Kommunikationsquadrat, das Haus der Verständlichkeit, der Teufelskreis, das innere Team, das Wertequadrat, alles anschaulich-metaphorische Ansätze, die sich allerdings nicht zu einer einheitlichen humanistischen Anthropologie zusammenfügen. Man merkt ihnen an, dass sie pragmatisch aus der Kommunikationsberatung entstanden sind. Dabei geht ein wenig unter, dass seine Konzepte – mit Ausnahme der Verständlichkeitskonzeption – kaum durch Untersuchungen bestätigt sind. Vor allem der zentrale Begriff der Stimmigkeit, als Handeln in Übereinstimmung mit sich und der Situation, ist als „existenzielle Leitlinie“ sicher erstrebenswert, aber wissenschaftlich operationalisierbar, prüfbar und vorhersagbar ist sie nicht.

Und Bernhard Pörksen? Wenn er von seinen Gefälligkeitsfragen abweicht und kritisch wird, bekommt er Schulz von Thun kaum zu fassen, denn der ist auch ein Meister des Sowohl-als-auch. Aber es gibt zwei Themen, bei denen die beiden doch behutsam aneinander geraten. Das eine geht um die Grenzen des systemischen Denkens. Ist unser Handeln nur aus der Dynamik des Interaktionssystems erklärbar, dann sind wir auch nicht dafür verantwortlich und es gibt eigentlich keine Täter und Opfer mehr, da ja der eine auf das Verhalten des anderen reagiert. Schulz von Thun empfiehlt, manchmal die Brille des Systemikers gegen die Brille des Individualdiagnostikers zu tauschen. Aber wann ist der Brillenwechsel sinnvoll oder gar notwendig? Das zweite Thema betrifft die letzten Fragen. Pörksen sieht im Tod ein „furchtbares Faktum“ und „einen Feind“, Schulz von Thun redet von „lebenssatter Müdigkeit“ und „sanftem Hinübergleiten“. Über das Ende aller Kommunikation gibt es keinen Konsens. O Herr, gib jedem seinen eignen Tod (Rilke)

Das Buch ist weniger eine wissenschaftliche Abhandlung, es ist eher ein Lebenshilfebuch. Und es bleibt ein sympathischer Graben zwischen Wissenschaft und Lebenskunst. (27.10.2014)

0

Herrenmode

Werbung

Smarte Herrenmode und stilsichere minimalistische Werbung von Strokesman`s. Man beachte das Würstchen. (25.10.2014)

0

Grabkreuze

Der Beitrag über Materln (6.10.2014) hat den Zeichen-Scout Wolfgang Scherer auf den Plan gerufen, der ähnliche Grabkreuze auf einem Friedhof in Rumänen im Maramuresch fotografiert hat: Bunter als die Marterln, auch mit nativer Malerei und einem Verslein, das aus dem Leben des/der Verstorbenen berichtet. Im Unterschied zu den Materln sind es aber brave Texte. Bei der Frau mir der Webspindel stehen die Verse (danke für die Übersetzung an Frau B. W.):

Hier ruhe ich mich aus, die Marie des Ion Diochi heiße ich. In der Welt, in der ich gelebt habe, habe ich jegliche Arbeit geliebt, ich habe geschwatzt und gewebt, schöne Leintücher habe ich gemacht. Aber ich bin im Zorn weggegangen, eine Frau im Haus habe ich nicht zurückgelassen, zwei Männer habe ich im Haus zurückgelassen. Im Zorn über mich sollen sie leben und sie werden sich erinnern und ewig daran denken, dass ich das Leben zurückgelassen habe mit 69 Jahren. 1936-2005

IMG_3941

Grabkreuze auf einem rumänischen Friedhof im Maramuresch. Foto: Wolfgang Scherer (23.10.2014).

0

Krawatten

Heute ist der Welt-Tag der Krawatte! Dieser sonderbare Stoffstreifen um den Hals ist das auffälligste Accessoire der männlichen Mode. Das Wort leitet sich ab von à la cravate = auf kroatische Art. Angeblich war Ludwig XIV. im Jahr 1663 vom Aufmarsch eines kroatischen Reiterregiments mit Halsbinde so beeindruckt, dass er dieses Kleidungsstück im Adel einführte. Der König stellte einen eigenen Cravatier ein, der seine Krawatten pflegen musste! Im Landesmuseum Zürich kann man gerade eine Ausstellung über die Geschichte der Krawatte anschauen.

Die Krawattenmode wechselt: Länge und Breite, Art des Knotens, mit Klammer oder Nadel, Stoffe und Dessins. Picasso oder Dali haben einmal Krawatten entworfen, aber in den letzten Jahren dominieren unifarbene und schlicht gestreifte Krawatten. Bunte Muster sind weitgehend verschwunden, die Langeweile hat sich um die Hälse gelegt. Dabei fällt nichts so ins Auge wie eine Krawatte, sie kann interessanter als der Mann dahinter ausfallen. (18.10.2014)

Krawatten

Ausschnitt aus meinem Schlipssortiment: Ich mag keine gestreiften Krawatten. Der Hit für die Ästhetik-Vorlesung: die Kakerlaken-Krawatte. Foto: St.-P. Ballstaedt.

1

Schablonen

Refugees. Baeckerei

Mit Schablonen gesprayte politischen Botschaften an Gebäuden der Universität Tübingen. Fotos: St.-P. Ballstaedt (14.10 2014).

1