Bräuneln

Heute lese ich in einem Kommentar zu den guten Ergebnissen der AfD bei den Landtagswahlen, dass der Osten „bräunelt“. Zum diesem Verb gibt es einen kurzen Eintrag bei den Grimms: Bräuneln bedeutet rösten, damit z. B. das Brot braun wird (gebreunlet brot). Das Wort taucht offenbar erstmals in der sehr freien Übersetzung und Bearbeitung des „Gargantua“ von Rabelais durch Johann Fischart 1575 auf (Affentheurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung). Er ist für seinen kreativen Umgang mit der Sprache und seine Wortschöpfungen bekannt. Ich habe das Wort auch in einer Schrift aus dem Jahr 1788 aufgestöbert, wo anerkennend vom „Bräuneln dieser Wange“ gesprochen wird.

Übrigens: Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt 24,2 % (+1,9 NPD) und in Baden-Württemberg 15,1 % erreicht, bräunelt das dann oder ist es nicht schon ziemlich braun? (15.03.2016)

Nachtrag: Erst ein paar Stunden später ist mir der Einfall gekommen, ob nicht die Krankheit Röteln von einem ähnlichen Verb für „rot werden“ abgeleitet ist, da sich auf der Haut rote Flecken bilden. Tatsächlich: Das Verb „röteln“ im Sinne  von „rot werden“ findet sich im Grimm’schen Wörterbuch. In der Farbenlehre von Goethe (1810) lesen wir: „Sie [die Griechen und Römer] lassen das Gelbe röteln, weil es in seiner Steigerung zum Roten führt, oder das Rote gelbeln, indem es sich oft zu diesem seinen Ursprunge zurück neigt“. Als Bezeichnung für eine Krankheit sind Röteln seit der 2.Hälfte des 16. Jahrhunderts belegt.(15.03.2016)

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