Brillennazi

In der Volksschule erkannte meine Lehrerin bald, dass ich die Tafelanschriebe nicht lesen konnte und deshalb musste ich wegen Kurzsichtigkeit eine Brille tragen, im zarten Alter von sieben Jahren damals (1953) selten. Das Angebot an Brillen für Kinder war spärlich und die Modelle waren sicher von keinem Modedesigner entworfen (AOK-Brille). Mit den Augengläsern in einem Metallgestell sah ich irgendwie lächerlich aus, deshalb werde ich mit einem Schimpfwort gehänselt: Brillen-Nazi. Das Wort habe ich nie vergessen, aber sein Sinn blieb mir verborgen. Ich vermutete ein Kompositum mit der abwertenden Bezeichnung für einen Nationalsozialisten.

Heute weiß ich es besser: „Nazi“ ist ursprünglich eine Koseform des Vornamens Ignaz (lat. Ignatius = der Feurige) der in Bayern und Österreich verbreitet war. Abwertend gebraucht wird das Wort für eine einfältige, törichte Person, so auch einen dummen Brillenträger. Die Bezeichnung „Brillennazi“ wird auch für jemanden benutzt, der selbst Brillen nicht ausstehen kann und deshalb eher Kontaktlinsen trägt: „Ich bin ein richtiger Brillennazi.“ (25.02.2017)

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