Brustbild

Da es Maßhemden und Maßschuhe gibt, ist es verwunderlich, dass es bisher keinen Maßbüstenhalter gibt. Aber jetzt arbeitet man an der Reutlinger Hochschule, Fakultät Textil und Design, an diesem Projekt. Nach einem 3D-Scan des Körpers errechnet eine Software die passende BH-Passform. Parameter sind das Volumen der Brüste, die Höhe der Brustwarzen und die Brustmitte.

Diese Zeitungsmeldung hat mich auf die schon lange ungeklärte Frage gebracht, warum es eigentlich Büstenhalter und nicht Brüstehalter heißt. Denn eine Büste – italienisch il busto – ist ursprünglich ein auf einem Grabmal angebrachtes Brustbild eines oder einer Verstorbenen, also eine Oberkörperplastik. Die verengte Bedeutung „weibliche Brust“ entsteht in Frankreich – la buste – und wandert um 1860 als Lehnwort in das Deutsche ein.

Das Wort Büstenhalter für „ein Wäschestück zur Stützung und Formung der weiblichen Brust“ (Brockhaus Enzyklopädie) gibt es erst ab etwa 1920, vorher waren andere Bezeichnungen geläufig: Leibchen, Korsett, Bustier, aber auch korrekt Bruststütze und Brusthalter. (06.02.2021)

Noch keine computergenerierte Passform: Büstenhalter von 1873. Quelle: Wikimedia Commons.

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