Einzelfälle

Während wir auf das neue Unwort warten, das die „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ Mitte Januar verkünden wird, ist ein anderes Projekt, die „Floskelwolke“, vorgeprescht und hat die Floskel des Jahres 2020 bekanntgegeben: Einzelfälle.

Unter einer Floskel wird eine oft verwendete, meist überflüssige Formulierung oder Redensart bezeichnet. Das Wort stammt von flosculus, lat. = Blümchen, und wird bereits in der Antike auf Reden angewandt: flosculus orationis, sozusagen eine blumige Sprache. Eine eher negative Bedeutung bekommt das Wort im 17. Jh. als Bezeichnung für ausschmückende, aber nichtssagende Formulierungen. Die Website „Floskelwolke“ wird von den Journalisten Sebastian Pertsch und Udo Stiehl betrieben. Sie filtern täglich aus etwa 2000 Medienseiten Floskeln heraus und stellen sie in einer Wortwolke zusammen.

Im Gegensatz zum Unwort des Jahres sind Floskeln nicht unbedingt verschleiernd oder inhuman, aber es gibt doch eine breites Überlappungsfeld. Das gilt auch für den Einzelfall. Das Wort bezieht sich auf rechtsextremistische Umtriebe in der Polizei, die mit dem Ausdruck „Einzelfälle“ verharmlost werden, obwohl hier ja der Plural einen Widerspruch darstellt. (04.01.2021)

Darstellung von überflüssigen Wörtern und Formulierungen in einer Floskelwolke (zum Vergrößern ins Bild klicken). Quelle: Sebastian Pertsch, Wikimedia Commons

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