Vorsätze

Ein neues Jahr hat für viele Menschen einen „fresh start effect“, der durch Vorsätze markiert wird.

Aus der technischen Kommunikation ist bekannt, dass die Formulierung einer Anweisung einen Effekt auf die Wahrscheinlichkeit hat, dass die Instruktion befolgt wird.

  • (1) Sie sollten alle paar Monate den Filter wechseln
  • (2) Bitte wechseln Sie alle paar Monate den Filter.

Das sind zwei weiche Formulierungen, einmal mit eine schwammigen Modalverb „sollen“ (1), einmal mit dem Partikelwort „bitte“ (2). Beide Formulierungen sind nicht sehr verbindlich. Da ist ein Imperativ (3) oder imperativischer Infinitiv (4)besser.

  • (3) Wechseln sie alle paar Monate den Filter.
  • (4) Alle paar Monate den Filter wechseln.

Auch die Formulierung von Vorsätzen zur Verhaltensänderung haben eine Auswirkung auf ihre Umsetzung, das hat einen schwedische Studie ergeben: Vermeidungsziele (5) sind offenbar weniger effektiver als Annäherungsziele (6).

  • (5) Im neuen Jahr werde ich weniger Alkohol trinken.
  • (6) In Zukunft werde ich mehr Mineralwasser trinken.

Der Unterschied ist allerdings nicht gewaltig: Bei Annäherungszielen halten 59% ein Jahr durch, bei Vermeidungszielen 47%, ein für mich erstaunlich hoher Prozentsatz! Annäherungsziele sind konkreter und das gilt für alle Vorsätze: Je konkreter und überprüfbarer ein Ziel (Fachwort: operationalisierbar), desto eher wird es auch erreicht. Aber der Effekt könnte auch umgekehrt interpretiert werden: Wer sich seiner Vorsätze nicht so sicher ist, der formuliert gleich wenig konkret und überprüfbar.

  • (7) Alkohol werde ich nur noch an Festtagen und zu besonderen Anlässen trinken.

Aber was sind „besondere Anlässe“? Der unbestimmte Ausdruck ist das Schlupfloch für das Öffnen einer Flasche: Feste soll man feiern, wie sie fallen. (31.12.2020)

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