Francis Bacon

Was zieht mich an seinen Bildern an? Keine Ausstellung habe ich von ihm verpasst: Staatsgalerie Stuttgart1985/86; Haus der Kunst München 1996/97, und jetzt wieder in der Staatsgalerie Stuttgart 2016/17.

Die Menschen sind auf Podesten, Gerüsten, Laufstegen exponiert und in leeren Räumen isoliert, meist nackt und maskulin, die Körper fleischig, verkrampft, amorph, kriechend oder ineinander verschlungen und verknetet. Oft sind die Leiber als Torso fragmentiert oder verwundet wie auf einem Schlachtfeld. Die Gesichter aufgedunsen mit furunkeligen Auswüchsen, die Münder oft schreiend aufgerissen mit Zahnreihen wie bei einem Totenschädel.

Die Gesichter visualisieren die Auflösung der Identität, die Verdreifachung einer Person in einem Triptychon mit getrennt gerahmten Bildern veranschaulicht eine multiple Persönlichkeit. Der Mensch als biologische Kreatur, die isoliert zu keiner Ganzheit findet und in der Gemeinschaft nur zu zerfleischten Vereinigungen und Verknotungen fähig ist, in der er wiederum als einzelne Person verschlungen wird, Begrenzungen der einzelnen Körper sind nicht erkennbar, sie fließen unscharf ineinander.

Ich interpretiere die Gemälde als extremen Ausdruck eines existenzialistischen Lebensgefühls. Die Bilder führen zu einem radikal ambivalenten ästhetischen Erlebnis: Der oder die Betrachtende fühlt sich durch Hässlichkeit abgestoßen und gleichzeitig existenziell betroffen und als Voyeur angezogen. Man wird zum Zeugen der Auflösung von Körper und Seele. (05.01.2017)

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 Eine Betrachterin in der Tate Galerie vor Francis Bacon: Triptychon 1972. Foto: Stu Smith, Flickr.com

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