Körperbehaarung

Die menschliche Behaarung hat schon viele Moden überstanden. Zu den Kopfhaaren und Barthaaren, zu Frisuren und Barttrachten gibt es kulturhistorische Abhandlungen:

Marian I. Doyle: An illustrated history of hairstyles 1830–1930. Atglen, 2003

Allan Peterkin: One Thousand Beards: A Cultural History of Facial Hair. Arsenal Pulp Press, Vancouver 2002.

Eine Kulturgeschichte aller menschlichen Behaarungen ist aber noch nicht geschrieben. Mich interessiert eher die periphere Behaarung unter den Achseln, auf der männlichen Brust und der Schamgegend, in der Nase, über den Augen und am After. Über den biologischen Sinn und Zweck dieser Behaarungen will ich mich hier nicht auslassen, aber alle diese Haare waren schon Gegenstand von ästhetischen Urteilen und massiven Eingriffen. So träufelten sich in Griechenland die Männer Wachs auf den After, um es nach dem Erkalten mitsamt der Behaarung abzureißen. Augenbrauen werden gezupft, gestylt und gefärbt. Für Nasenhaare gibt es eigene Scheren und Schneidemaschinen, vor dem Herauszupfen warnen HNO-Ärzte (kann zum Tode führen!).

Die Schambehaarung war schon vielen kulturellen Moden unterworfen: natürliche Behaarung, Vollrasur, manikürte, getrimmte oder gefärbte Genitalfrisuren. Dabei sieht ein wuscheliger „Brunzbusch“ doch apart aus, aber bei manchen sexuellen Praktiken ist er natürlich etwas hinderlich.

Auch die Achselhaare wurden in den letzten Jahren als unerotisch und geradezu abstoßend bekämpft, bis irgendein Popstar oder eine Schauspielerin provokant Achselhaare zeigt, z.B. Madonna, Julia Roberts, Miley Cyrus, und schon ist die Haarphobie vorbei und der Lady-Shaver landet in der Schublade.

Ebenso wird gerade die Brustbehaarung des Mannes rehabilitiert, die in den letzten Jahren als tierischer Brustpelz angeblich von den Frauen als unsexy empfunden wurde. Früher trugen Männer Brusttoupes unter dem geöffneten Hemd, um sich als Sexualobjekt zu präsentieren. (01.07.2021)

Dieter Thomas Kuhn als Objekt der Begierde mit Perücke und Brusttoupet. Foto: Stefan Brending: Wikimedia Commons.

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