Schönbuch

Eine noch so unbedeutende Veränderung einer Institution ist ohne neues Logo nicht mehr denkbar. Am 20.01.15 präsentierte der Naturpark Schönbuch ein neues Logo und Corporate Design. Das Logo zeigt die blaue Silhouette eines Hirschs auf dessen Flanke der gotische Turm der Klosterkirche in Bebenhausen abgebildet ist. Also zwei charakteristische Motive. Der stilisierte Turm der Klosterkirche war auch schon im alten Logo zu sehen, allerdings inmitten von bewaldeten Hügeln. Jetzt steht der Hirsch für den Wald. Interessant wären die anderen Entwürfe des Agenturwettbewerbs, aus denen ausgewählt wurde. Das neue Logo stammt von der Tübinger Werbeagentur „Die Kavallerie“. (22.01.2015)

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Das alte und das neue Logo des Naturpark Tübingen.

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Pilgerwege

Man kann keinen Kilometer in einem Wald um Tübingen spazieren gehen, ohne auf einen der großen Pilgerwege zu treffen. Der Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela und der Martinusweg, der Hauptweg führt von Tannheim nach Schwaigern und ist etwa 535 Kilometer lang. Aber beide Pilgerstrecken haben zahlreiche Nebenwege, die einen zielorientierten Pilger schon verwirren können. Aber bekanntlich führen alle Wege nach Rom. (21.01.2015)

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Die stilisierte Muschel als Kennzeichen des Heiligen Jakob, das gelbe Kreuz als Logo für den Martinusweg. Fotos: St.-P. Ballstaedt

Nachtrag: Im Luther-Jahres wird der ganze Osten neu beschildert. Foto: Wolfgang Scherer (31.08.2015)

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Netizen

Diese sprachliche Kontamination aus network und citizen habe ich erstmals in einem Schweizer Prospekt der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ gelesen. Das Wort geht auf einen Aufsatz von Michael Hauben (bereits 1997) zurück, der damit alle weltweit im Web aktiven Personen bezeichnet, die sich für ihre Gesellschaft verantwortlich fühlen. Deutsch etwa „Netzbürger“. Der Ausdruck hat sich besonders im asiatischen Raum durchgesetzt (China, Südkorea), wo Blogger journalistisch tätig sind, recherchieren, berichten, analysieren und dafür oft vom Staat verfolgt werden. (20.01.2015)

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Lügenpresse

Da ist Pegida ja noch einmal davongekommen, wenn auch das historisch recycelte Unwort des Jahres 2014 indirekt auf die Bewegung verweist, die derzeit gegen Presse- und Meinungsfreiheit stänkert, wenn sie nicht hören oder lesen, was ihnen ins Gehirn passt. Die Pressemitteilung der „Sprachkritischen Aktion“ schließt mit dem Satz: „Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.“ Natürlich gibt es auch schlechten und einseitigen Journalismus, aber er wird wiederum durch andere Medien und unabhängige Netizens kontrolliert. (19.01.2015)

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Kategorisiert

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Wissenschaftliche Beschilderungen im Botanischen Garten der Universität Tübingen (zum Vergrößeren hineinklicken). Foto: St.-P. Ballstaedt (17.01.2015)

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Poussieren

Flirten kommt erkennbar aus dem Englischen von „to flirt“ = ursprünglich „schnell bewegen, flattern, kokettieren“. Ein Flirt ist „ein unverbindliches, spielerisches und kurzfristiges Zuneigungsverhältnis“ (Pfeifer, 1995, S. 356). Wer nicht flirten möchte kann poussieren. Noch steht dieses Verb als „veraltend für flirten“ im Duden, aber es gehört zu den aussterbenden Wörtern. Das Wort kommt in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Deutschland von französisch „pousser“ = „stoßen, schieben, drängen“ und bedeutet zunächst in der Kaufmannssprache „um etwas sehr bemüht sein“. Danach Anfang des 19. Jahrhunderts taucht es in der Studentensprache in erotischer Bedeutung auf. Eine Textstelle über Diana, Princess of Wales, im SPIEGEL 27.1.2007: „Sie aalte sich auf dem Sonnendeck einer Luxusyacht, poussierte mit Dodi gut sichtbar an Bord“. Ebenfalls ein Gallizismus ist das Verb „kokettieren“, in dem das Wort „coq“ = „Hahn“ steckt, obwohl man dieses Verhalten vor allem Frauen zuschreibt (Kokette, Kokotte). Wer es lieber deutsch mag, der kann schäkern. Das Wort bedeutet urspr. „scherzen, Späße treiben“, wird dann auch als „kosen, flirten“ verwendet. Der Ursprung ist ungeklärt. Und schließlich kann man noch tändeln. In diesem Wort steckt „Tand“ = „wertloses Zeug, Nichtigkeit“. Tändeln bedeutet also ursprünglich „seine Zeit mit Nichtigkeiten verbringen“. Dann doch lieber poussieren. (13.01.2015)
 

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Karikaturen

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Nach einer Schrecksekunde gemischte Gefühle von Trauer und Wut über den Mord an den Blattmachern von Charlie Hebdo, und von Hochachtung vor Ihnen. Meine Französischkenntnisse habe ich über die Jahre vor allem mit Comics und Cartoons aufrechterhalten, dazu gehörten Reiser und auch Wolinski (Je ne pens qu’à ça). Der rabiate und von jeder political correctness befreite Stil der Cartoons, egal ob über Sex, Politik oder Religion, ist eine Erfrischung für jeden regen Geist. Karikaturen können böse und verletzend sein, aber eine offene Gesellschaft braucht diesen Humor als Stachel und als Ventil. Heute bewundere ich die Franzosen, die jetzt zu Tausenden auf die Straße gehen, ein wenig Voltaire scheint doch noch in ihnen zu stecken. (10.01.2015).

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Der Schwenk

Soviel Aufmerksamkeit hatte die FDP seit langem nicht mehr. Die „tagesschau“ berichtete vom Dreikönigstreffen in Stuttgart und zeigte in dem Beitrag einen Schwenk von den Beinen der Frau Katja Suding – die Hamburger FDP-Spitzenkandidatin – auf ihr Gesicht. Mir fiel diese Kameraführung gleich auf, sie ist natürlich nicht fein oder sogar sexistisch. Der ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke entschuldigte sich bei der Politikerin. Trotzdem freut es mich , dass in der seriösen „tagesschau“ ein solcher Fauxpas möglich ist. Nach diesem Vorfall werden die Kameraleute sicher nach neuen Kriterien ausgewählt und ausgebildet. (08.01.2015)

Beine

Das machen nur die Beine von Dolores, dass die Señores nicht schlafen geh’n. Startbild eines langsamen Schwenks nach oben. Screenshot: St.-P. Ballstaedt

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Feudeln

Ein Verb, das ich lange nicht mehr gelesen habe. Feudeln bedeutet einen Fußboden nass reinigen, der Scheuerlappen dazu ist der Feudel. Das Wort steht im Duden, aber nicht im Grimm’schen Wörterbuch. Der Feudel ist in Norddeutschland seit 1755 belegt. Die genaue Herkunft ist unklar, das französische Wort „faille“ für Mantel wird in Kluge’s Etymologischem Wörterbuch als Ursprung angegeben. Im Wortschatz der Uni Leipzig habe ich eine schöne Belegstelle aus den Stuttgarter Nachrichten (26.1.2011) gefunden: „Die Nordlichter klärten sie darüber auf, dass sie mit dem Feudel feudeln – und fragten höhnisch, ob Schwaben mit dem Putzlumpa putzlumpeln würden? (07.01.2015)

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Ein Feudel zum feudeln. Quelle: Huhu Uet, Wikimedia Commons

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