Patenschaft

Die Migrations- und Asylpolitik hat schon drei Unwörter des Jahres hervorgebracht: 2006 „freiwillige Ausreise”, 2013 „Sozialtourismus“, 2018 „Anti-Abschiebe-Industrie“. Für 2020 gibt es einen neuen Kandidaten, den wir der Europäischen Union zu verdanken haben: Abschiebepatenschaften. Eine Patenschaft ist die freiwillige Übernahme einer Fürsorgepflicht, z.B. für ein Kind oder neuerdings auch einen Baum. Mit der Wortschöpfung ist aber gemeint, dass dafür gesorgt wird, dass ein Asylsuchender unverzüglich abgeschoben wird. Diese Patenschaften sollen die EU-Länder übernehmen, die partout keinen Flüchtling auf ihrem Staatsgebiet aufnehmen wollen. Ein üble euphemistische Wortschöpfung. (25.09.2020)

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