Playboy vs. Youporn

Die Frage, ob Männer stärker und anders auf sexuelle Reize in Bildern oder Filmen reagieren, hat mich schon immer interessiert. Dazu zwei neuropsychologische Untersuchungen:

Eine finnische Forschergruppe hat mit dem EEG Hirnaktivitäten im sogenannten okzipitotemporalen Kortex ein Areal nachgewiesen, das auf nackte Haut spezialisiert ist: Je mehr nackte Haut sichtbar ist, desto stärker sprechen die Neuronen an. Dieser Effekt ist bei Männern größer als bei Frauen, was herkömmlichen Erwartungen entspricht, denn Männer denken ja nur an das eine.

Jetzt haben Forscher in der Abteilung für Physiologie kognitiver Prozesse im Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik andere Ergebnisse vorgelegt. Eine Metaanalyse von 61 Studien belegt, dass Männer wie Frauen auf erotische Bilder und Filme neuronal gleich reagieren: In den Mustern von Magnetresonanz-Aufnahmen zeigt sich kein Unterschied. Aber ein interessanter geschlechtsunabhängiger Effekt zeigte sich beim Vergleich von Bildern und Filmen. Bilder rufen ein breiter gefächertes neuronales Muster hervor als Filme, offenbar regen sie die Fantasie der Betrachtenden mehr an.

Die neuronalen Muster müssen aber keinesfalls zu gleichen kognitiven Reaktionen führen. Hier spielen zahlreiche soziale und kulturelle Einflüsse eine Rolle: Sexualerziehung, Religion, Rechtssystem. (14.08.2019)

Jari K. Hietanen, & Lauri Nummenmaa: The Naked Truth: The Face and Body Sensitive N170 Response Is Enhanced for Nude Bodies”, PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0024408.

Mitricheva E, Kimura R, Logothetis NK, Noori HR. Neural substrates of sexual arousal are not sex-dependent. Proceedings of the National Academy of Sciences USA, 2019.

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