Rindfleisch-Bildchen

Mit schwerem Herzen habe ich mich von drei Alben mit Liebig-Fleischextrakt-Sammelbildern getrennt, die ich aus dem Nachlass meine Vaters übernommen habe. Die Alben sind nicht mehr in guter Verfassung, aber sie enthalten 190 Serien der beliebten Bilder. Ich habe sie an einen leidenschaftlichen Sammler verkauft, der Interesse an ihnen hat: „Mein Wunsch ist es, möglichst alle Bilder zu sammeln die in den verschiedenen Ländern erschienen sind“, so auf seiner Website.

Die Bildserien erschienen ab 1875 in Paris, über die Auflagenhöhe ist nichts bekannt, es gab seltene Serien und sogar Fälschungen! Bis zum 1. Weltkrieg wurden die Bildchen als Chromolithographien gedruckt, später mit unterschiedlichen Offsetverfahren. Von den gestaltenden Graphikern sind nur wenige Namen bekannt, einen künstlerischen Anspruch hatten Bilder nicht.

Kulturhistorisch nteressant sind die Themen der Serien, die wegen der Verbreitung im städtischen Bürgertum und in verschiedenen Ländern weltanschaulich neutral blieben: geografische, naturkundliche und historische Ereignisse, Sportarten, berühmte Künstler, Dramen und Opern, aber auch Suchbilder und Bilderrätsel. Auf jedem Bildchen ist der Fleischextrakt-Glas abgebildet.

Der Kulturhistoriker Bernhard Jussen hat die Bildchen im „Atlas des Historischen Bildwissens“ katalogisiert. Er will damit das kollektive Bildwissen der damaligen Zeit bewahren, um es als Korpus auswerten. Fleischextrakt war ein Luxusprodukt, die Bilder wurden im gehobenen Bürgertum gesammelt und angeschaut. Welches Bild über Geschichte und Kultur wird über sie vermittelt? Wie werden historische Personen dargestellt?

Bernhard Jussen (Hrsg.): Liebig’s Sammelbilder. Vollständige Ausgabe der Serien 1 bis 1138, Atlas des historischen Bildwissens. Berlin: Max-Planck-Instituts für Geschichte, 2002/2008.

  

Seiten aus Steckalben für Liebigbildchen mit drei Serien: Manöverbilder, Walfischfang, spezielle Bücher (zum Vergrößern ins Bild klicken). Foto: St.-P. Ballstaedt (18.08.2019)

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