Störfälle der Kommunikation

Welche Störfalle der Kommunikation gib es? Ich habe immer folgende Möglichkeiten unterschieden:

Das völlige Nichtverstehen kommt vor, wenn die Beteiligten über kein gemeinsames Zeichensystem verfügen. Beispiel: Sie  sprechen völlig verschiedene Sprachen. In diesem Fall gibt es allerdings noch nichtsprachliche Mittel der Verständigung wie Mimik, Gesten, Bilder usw.

Bei Schwerverständlichkeit kann eine Mitteilung nur mit erheblichem mentalen Aufwand verstanden werden. Dabei ist Schwerverständlichkeit graduell. Beispiel: Fachkommunikation zwischen Experten und Laien. Grundsätzlich gibt es Mittel, schwer verständliche Miteilungen durch verständliche Formulierungen zu ersetzen.

Das Missverständnis ist der kommunikativ heikelste Fall, denn der Adressat meint ja korrekt verstanden zu haben. Ein Missverständnis kann lange andauern, bevor es aufgelöst wird. Beispiel: Eine ironische Bemerkung wird ernst genommen.

Die Lüge ist der Gau der Kommunikation, denn wer jemanden belügt, der untergräbt das Vertrauen und gefährdet langfristig die Beziehung. Von der Lüge unterscheiden muss man die Fehlinformation, die nicht absichtlich  verbreitet wird. Beispiel: Eine falsche Nachricht im Journalismus durch unzureichende Recherche.

Die letzten Monate haben mich gelehrt, dass es eine weitere Gefährdung der Kommunikation gibt: die Desinformation. Das ist das gezielte Verbreiten falscher Informationen, um einzelne Personen, Gruppen oder die ganze Gesellschaft zu täuschen und zu manipulieren. Desinformation besteht oft aus bewussten Lügen (fake News), aber es gibt auch indirekte Formen wie Unterdrücken, Verschweigen, Übertreiben, Verharmlosen, Ablenken. Desinformation hat es immer schon gegeben, aber durch die virale Verbreitung haben sich Geschwindigkeit und Wirkungsbereich dramatisch vergrößert. Die taktische Erfindung und Verbreitung von Desinformation ist in den Bereichen Militär, Geheimdienste, Parteienpropaganda, Öffentlichkeitsarbeit geläufige Praxis. (20.04.2022)

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