Aufwertung

Viele Wörter beinhalten in ihrer Bedeutung einen wertende Komponente, weshalb es ja auch schwer ist, etwas neutral zu beschreiben. Diese wertende Konnotation kann sich ändern: Wenn sich ein Bedeutungswandel vom Positiven zum Negativen vollzieht, spricht man von Pejoration, z.B. beim Lehrbuchbeispiel: „Weib“ oder „Dirne“ wird ursprünglich neutral, dann abwertend gebraucht. 

Seltener ist das Gegenteil, die Melioration, bei der ein ursprünglich negatives Wort einen positiven Beiklang in einem veränderten Nutzungskontext bekommt. Lehrbuchbeispiel: Als „Freigeist“, wird im 18. Jahrhundert abwertend eine Person genannt, die religiöse und moralische Vorgaben ablehnt, später aufgewertet als Bezeichnung für einen unabhängigen und selbstbewussten Freidenker.

Oft wird eine negative Bezeichnung von der gemeinten Gruppe aufgegriffen und – als Flucht nach vorn – selbstbewusst neu definiert, so z.B. die Adjektive „queer“ und „schwul“. Man spricht von Trotzworten! Ein aktuelles Beispiel für Meliorisierung zeigt eine Überschrift aus der WochenTAZ vom 3.-9.1.2026: „Wenn ich meine Freund:innen eine „Fotze“ nenne, ist das als Kompliment gemeint“. Die Journalistin Chiara Bachels: „Die Fotze gehört jetzt wieder uns. Wir haben uns das Wort zurückgeholt […].“ Der Dank für die Rückeroberung geht an die Rapszene, speziell Ikkimel. Zum Wort „Fotze“ mein Beitrag vom 1.7.2025 (11.01.2026)

Die Rapperin Ikkimel benutzt in ihren Texten gern und provokant das F-Wort. Quelle: Wikimedia Commons

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