Für aus dem Englischen eingewanderte Wörter ist die Willkommenskultur widersprüchlich: 71 % lehnen sie zwar ab, aber 90% verwenden sie trotzdem. So die Daten einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Ältere Personen sind dabei noch kritischer gegenüber den Einwanderern als jüngere. Wörtern wir „okay“. „Internet“ oder „cool“ kann man kaum entkommen. Englische Vokabeln haben auch einen gewissen Distinktionsgewinn: Man kann sich als weltläufig und modern präsentieren. Zudem gibt es für einige Begriffe tatsächlich keine treffenden deutschen Wörter: Wie soll man z.B. das Smartphone nennen? Oder Mobbing? Die Aktion Lebendiges Deutsch schlägt vor: Gruppenpöbeln oder Mürbsticheln.(28.08.2016)
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Burkini
Wenn es noch eines Beweises gebraucht hätte, dass auch die Kleidung semiotische Bedeutung hat, dann wären es jetzt die Debatten über den Burkini und andere Kleidungsstücke, die den Körper stark verhüllen. Während ich noch verstehen kann, dass in kommunikativen Berufen – wie z. B. Lehrerin – eine gesichtsverdeckende Burka oder Niqab ein Problem darstellen, verstehe ich nicht, warum man gegen den Burkini vorgeht.
Beim Verbot des Burkini an der Côte d’Azur geht es nicht um das Gesicht, sondern um eine Kleiderordnung. Am Strand von Nizza haben vier (!) Polizisten eine islamische Frau gezwungen, ihre Kleidung auszuziehen, peinlicherweise war es aber gar kein Burkini, sondern eine normale Tunika. enn man das Verbot damit begründet, dass damit unterdrückte islamische Frauen befreit werden, so ist das eine durchschaubare Rationalisierung. Ein Burkini schützt gegen Sonne und Quallen, aber nicht gegen kulturelle Vorurteile. Eigentlich bleibt es jeder Frau überlassen, wieviel Haut sie zeigt, aus welchen Motiven auch immer. Die europäischen Badeanzüge im 19. Jahrhundert haben auch fast den ganzen Körper verdeckt. (25.08.2016)
Mit diesen Badeanzügen im Marinestil ging die züchtige Dame 1989 ins Wasser. Dagegen wirkt ein Burkini elegant! Quelle: Wikimedia Commons
Polizisten
Eine Demonstrantin in Berlin soll 1994 die Parole „Deutsche Polizisten, Mörder und Faschisten“ gerufen haben und wurde unter anderem dafür am 5.8.1999 zu zwölf Monaten Haft zur Bewährung auf vier Jahre wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Staates verurteilt. Der aktuelle Aufkleber klingt lautlich ähnlich und lässt Insider natürlich sofort die ursprüngliche Bedeutung assoziieren. (23.08.2016)
Nicht strafbarer Aufkleber im Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: St.-P. Ballstaedt
Kundenoffensive
Die von Bahnchef Rüdiger Grube angekündigte größte Kundenoffensive in der Geschichte der Bahn ist angelaufen. In den ICE-Toiletten sind die Fensterchen jetzt mit geschmackvollen Blumenarrangements beklebt, was für ein gediegenes Ambiente in der Verrichtungszelle sorgt. Foto: St.-P. Ballstaedt (21.08.2016)
Nein! Nicht mit mir!
Das Thema sexueller Belästigung im Schwimmbad ist derzeit sehr aktuell. Die Frauen- und Familienbeauftragte im Landratsamt Bodenseekreis mit dem schönen Namen Veronika Wäscher-Göggerle hat dazu eine Kampagne mit Plakaten und einem Folder entwickelt, das Betroffene ermutigen soll, sich gegen Übergriffe zu wehren. Im Folder werden häufige Belästigungen in Deutsch und Englisch beschrieben und auf Bildern gezeigt. Diese haben einen realistischen Hintergrund, die davor agierenden Personen sind aber so geschickt in roten Strichen stilisiert, dass man keine Zuordnungen zu Hautfarbe, Nationalität oder sogar Geschlecht treffen kann.
Zur Kampagne gehört noch ein Rubbel-Tattoo, mit dem man „ein Zeichen setzen“ soll: Mein Körper gehört mir! Der „kleine temporäre Schutzpatron“ zeigt ein „No!“ mit Flügeln, dahinter Krallen, die blutige Striemen über die Haut ziehen. Diese sollen wohl Wehrhaftigkeit demonstrieren, aber was bedeuten die Flügel? (19.08.2016)

Ein Tattoo zum auf die Haut rubbeln mit Flügeln und Krallen. Gute Vorlage für eine Rockerformation. Quelle: Landratsamt Bodensseekreis.
Erste Hilfe
Auf einer Mauer in der Schleichstraße im Klinikviertel von Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (17.08.2016)
Historische Semantik
Die Historische Semantik ist ein Zweig einer hermeneutischen Geschichts- bzw. Kulturwissenschaft, die den historischen Bedeutungsgehalt von Wörtern untersucht: Welche Bedeutungen verbergen sich hinter einem Wort, das z. B. in der Antike oder im Mittelalter verwendet wird.
In der Biografie des Ritters Oswald von Wolkenstein, die Dieter Kühn vorgelegt hat, habe ich ein schönes Beispiel gefunden. Der Biograf macht sich mehrfach Gedanken darüber, ob und wie eine sprachliche Verständigung mit dem spätmittelalterlichen Menschen möglich wäre. Sein Beispiel ist das Wort „Wald“. Wald ist für uns heute eine größere Ansammlung von Bäumen, eine forstwirtschaftliche Nutzfläche, die auch zur Erholung dient und auf der Flora und Fauna genau kontrolliert werden. Im Mittelalter bedeckte Wald beinahe ganz Europa und war nur von wenigen Wegen zwischen Dörfern, Burgen und Städten durchschnitten. Der Wald war dicht und dunkel und es hausten darin gefährliche Wölfe und Bären. Zudem lauerten Räuber im Wald, man war froh, wenn man wieder heil aus ihm herauskam. Das Wort „Wald“ hat also bei Oswald von Wolkenstein ganz andere Konnotationen als bei Dieter Kühn: „Nein, wir könnten uns nicht einmal bei einem Wort wie „Wald“ verständigen, ohne ausführliche Kommentare, längere Demonstrationen. Und das wäre so bei fast jedem Wort, mit dem wir unsere Umwelt bezeichnen, er seine, ich meine.“ (S. 50). Später in der Romantik bekommt der Wald wieder eine ganz andere Bedeutung. (14.08.2016)
Dicht und undurchdringlich, ein Bannwald im Schwarzwald kann eine Vorstellung von ursprünglichen Wäldern vermitteln. Foto: St.egimal, Wikimedia Commons
Ernährungstipp

An apple a day keeps the doctor away. An der Hauswand in der Hinteren Grabenstraße in Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (12.08.2016)
Exit
Wenn aus zwei Wörtern eines zusammengebastelt wird, spricht man von einer Wortkreuzung, Wortmischung oder Wortverschmelzung, wer es gern mit einem Fremdwort ausdrückt einer Kontamination oder Amalgamierung. Das entstandene Kunstwort ist ein Kofferwort, Schachtelwort, wer es gern mit einem Fremdwort ausdrückt ein Portmanteau-Wort. Die Wortbildung „Grexit“ aus Exitus (lat. = Herausgehen, Ausgang) und Griechenland hat etliche Nachfolger gefunden, am prominentesten der Brexit. Der Filmemacher Volker Heise sieht aber noch andere politische Möglichkeiten: Euxit (raus aus der EU), Naxit (raus aus der Nato) und für die AfD den Moxit (raus mit den Moslems).(11.09.2016)
Skript: Mit Bildern instruieren
Noch ein Skript, das ich in der Aus- und Weiterbildung von technischen Redakteuren eingesetzt habe. Es enthält das theoretische Hintergrundwissen für die effektive Gestaltung verschiedener Bildtypen. (08.08.2016)




