Seit Jahren dokumentiere ich unsystematisch Zeichen im öffentlichen Raum, Plakate, Schilder, Graffiti, Stencils, Aufkleber, Piktogramme, Wegzeichen usw., wobei ich bisher weitgehend auf Werbung verzichtet habe (aber das sehe ich inzwischen als Fehler). Da diese Sammelei eher als Schrulle angesehen wird, möchte ich darauf verweisen, dass es eine Forschungsrichtung zwischen Soziologie, Geographie und Semiotik gibt, die Semiotic Landscapes untersucht: die Geosemiotic. Wir sind, vor allem im urbanen Raum, von multimodalem Zeichenmaterial umzingelt und selbst die sogenannte natürliche Umwelt wird symbolisch interpretiert. Die Geosemiotic interessiert sich für alle kulturellen Spuren in unserer Umgebung, von der Architektur bis zum Graffito an der Mauer. Es gibt es Untersuchungen über bestimmte Plätze, Stadtteile, Städte (Jaworski/Thurlow, 2010). Ein Beispiel: Ein Student hat vor einigen Jahren als Bachelorarbeit eine Untersuchung an geparkten Autos in Gelsenkirchen durchgeführt und herausgefunden, dass sich symbolisches Material an und in Autos vor allem bei den unteren Fahrzeugklassen findet. Oder: Je feiner das Auto, desto weniger semiotisches Material. Wie immer gibt es natürlich Vorläufer wie Aby Warburg oder Roland Barth, aber der interdisziplinäre Ansatz geht über diese wichtigen Vorarbeiten deutlich hinaus. (07.04.2016)
Semiotic Landscapes: der Hamburger Hauptbahnhof und eine verlassene Hütte bei Prerow. Fotos: St.-P. Ballstaedt












