In den Zeitungen war zu lesen, dass der Grünen-Abgeordnete Volker Beck mit einer „betäubungsmittelverdächtigen Substanz“ erwischt wurde, so O-Ton Berliner Kriminalpolizei. Derartig schöne Nomen-Adjektiv-Komposita erlaubt die deutsche Grammatik. Andere Beispiel aus dem Behördenbereich: schadstoffreduziert, kostenneutral, steuerbegünstigt. Besonders in der Dichtung sind diese Adjektive sehr nützlich: sommerwiesenbunt, eifersuchszermürbt, sirupschwarz, nebelverhangen. (24.03.2016)
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Verhalten bei Bränden
Diese Warnpiktogramme hängen in den Hostels in Vietnam und sollen zum richtigen Verhalten bei Bränden anleiten: Ich interpretiere: 1. Bei Brand 2. Feueralarm auslösen, 3. den Brand mit Wasser, Sand und Feuerlöscher bekämpfen, 4. Die Feuerwehr unter Nummer 114 anrufen. Soweit ich das klären konnte, sind Text und Bild kongruent. Bei deutschen Verhaltensregeln im Brandfall bringt man sich zuerst in Sicherheit und ruft dann die Feuerwehr an. Foto: Florestan Ballstaedt
Verhalten bei Bränden in der BRD in zwei Varianten. Quelle: Stadtentwicklung Berlin (22.04.2016)
Aufmüpfig
Mein Wort des Monats März ist ein Adjektiv, das in keinem meiner etymologischen Lexika eingetragen ist: aufmüpfig. 1971 war das dialektale Wort das erste „Spitzenwort des Jahres“ (heute nur noch „Wort des Jahres“). Mit dem Wiewort wurde in den späten 1960er Jahren die Widerstandshaltung der Studierenden gegenüber überkommene Autoritäten charakterisiert. Im Spruch „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren“, ist der Muff damit verwandt. Es gibt im Ostfriesischen „muff(el)ig“ im Sinne von „mürrisch“, „verdrießlich“ und im Oberdeutschen „müpfen“ im Sinner von „kritisieren“, „die Nase rümpfen“. Mir gefällt das Wort wegen seiner Konnotationen: Es steckt Eigensinn, Trotz und penetrante Ungehorsamkeit darin. (21.03.2016)
Neuroanatomie
Politische Neuroanatomie auf einem Aufkleber der Sozialistischen Jugend Niederösterreich an den Laternenmasten in Krems an der Donau. Der Rassist ist natürlich männlich. Foto: St.-P. Ballstaedt (20.03.2016)
Bräuneln
Heute lese ich in einem Kommentar zu den guten Ergebnissen der AfD bei den Landtagswahlen, dass der Osten „bräunelt“. Zum diesem Verb gibt es einen kurzen Eintrag bei den Grimms: Bräuneln bedeutet rösten, damit z. B. das Brot braun wird (gebreunlet brot). Das Wort taucht offenbar erstmals in der sehr freien Übersetzung und Bearbeitung des „Gargantua“ von Rabelais durch Johann Fischart 1575 auf (Affentheurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung). Er ist für seinen kreativen Umgang mit der Sprache und seine Wortschöpfungen bekannt. Ich habe das Wort auch in einer Schrift aus dem Jahr 1788 aufgestöbert, wo anerkennend vom „Bräuneln dieser Wange“ gesprochen wird.
Übrigens: Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt 24,2 % (+1,9 NPD) und in Baden-Württemberg 15,1 % erreicht, bräunelt das dann oder ist es nicht schon ziemlich braun? (15.03.2016)
Nachtrag: Erst ein paar Stunden später ist mir der Einfall gekommen, ob nicht die Krankheit Röteln von einem ähnlichen Verb für „rot werden“ abgeleitet ist, da sich auf der Haut rote Flecken bilden. Tatsächlich: Das Verb „röteln“ im Sinne von „rot werden“ findet sich im Grimm’schen Wörterbuch. In der Farbenlehre von Goethe (1810) lesen wir: „Sie [die Griechen und Römer] lassen das Gelbe röteln, weil es in seiner Steigerung zum Roten führt, oder das Rote gelbeln, indem es sich oft zu diesem seinen Ursprunge zurück neigt“. Als Bezeichnung für eine Krankheit sind Röteln seit der 2.Hälfte des 16. Jahrhunderts belegt.(15.03.2016)
Propaganda-Plakate
Die Sozialistische Republik Vietnam ist bekannt für ihre Propaganda-Plakate, die auch im Internet vertrieben werden. Es ist auffällig, dass die Plakate in allen sozialistisch-kommunistischen Staaten ähnlich aussehen. Das Design: großflächig, bunt mit gesättigten Farben (mit Bevorzugung von Rot und Orange), holzschnittartig, eben plakativ. Die Motive: Glückliche Menschen verschiedener Stände, die fröhlich winken und energisch in die Zukunft blicken. (14.03.2016)
Aktuelle Plakate aus Vietnam zum Fest des Ersten Morgens (dreitägiges Neujahrsfest). Fotos: Florestan Ballstaedt
Wahlplakate
Die Plakate der Parteien zur Landtagswahl in Baden-Württemberg sind eher langweilig: oft ein Kopf mit einem mehr oder weniger inhaltsleeren Spruch. Einzig die FDP hat sich etwas einfallen lassen, die Slogans sind frech und die Druckerfarben Blau, Geld und Magenta auffällig. Die Politiker sind in Aktion abgebildet und farblich vervielfältigt. Quelle: http://www.fdp-bw.de
Ein Plakat der AfD hängt am alten Tübinger Schlachthof, ausgerechnet vor einer Asylunterkunft. Die Botschaft wird nicht direkt sprachlich formuliert, ist aber in der Text-Bild-Kombination klar. Die dunklen Gestalten mit Baseball-Kappe und Kapuzen-Pulli, die eine Frau belästigen, sollen wohl keine Deutschen sein. Foto: St.-P. Ballstaedt (12.03.2016)
Pflotsch
Wieder ein mir bisher unbekannter Helvetismus: Pflotsch für Schneematsch. Zum gestrigen Tag der Frau hat „Blick am Abend“ einen Gendertipp, der mir allerdings wenig einleuchtet. Die Text-Bild-Beziehung bleibt interpretationsbedürftig (09.03.2016)
Schmieranten
Dass ich eine Vorliebe für Kommunikate im öffentlichen Raum habe, das machen die Beiträge des Blogs deutlich. Aber aus gegebenem Anlass möchte ich feststellen, dass ich die unzähligen Graffiti in der Stadt, die weder eine Botschaft noch eine ästhetische Qualität haben, ärgerlich finde. An den Wänden und Mauern – oft sogar aus Natursteinen – finden sich zahllose hässliche Tags, die allein dem Narzissmus der Sprayer dienen. (07.03.2016)
Nichts zu vermelden und nichts zu schauen, nur Selbstbestätigung. Foto: St.-P. Ballstaedt
Tarantula
Sie ist zurück an den Mauern von Schwäbisch Hall. Info für Arachnophobiker: Erster Auftritt 1955 in dem gleichnamigen Film von Jack Arnold (mit Clint Eastwood in einer seiner ersten Rollen als Geschwaderkommandant). Auf dem Plakat verspeist die Monsterspinne eine leicht bekleidete Frau, eine Szene, die im Film gar nicht vorkommt. Quellen: Movie Poster von Reynold Brown, Wikimedia Commons; Foto St.-P. Ballstaedt; (05.03.2016)











