Wie eine Katze auf den Beinen gelandet: Sturz von einer Mauer am Kupferbau in der Hölderlinstraße in Tübingen. Wer nahe herangeht, der sieht, dass die Figuren aus Folie aufgeklebt sind. Foto: St.-P. Ballstaedt (13.02.2016)
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Kurzdeutsch
In meiner Zeit im Ruhrgebiet waren mir vereinfachte dialektale Formulierungen aufgefallen: „Ich gehe Schule“; „Meine Oma ihre Tasche“, „Ich habe Rücken“. Artikel werden weggelassen, oft auch mit Präpositionen (Kontraktionen), vor allem der Genitiv wird vermieden.
Vergleichbare Formulierungen gehören auch zum Bestand des „Kiezdeutsch“, der „Ghettosprache“ oder des „Türkendeutsch“, das jetzt neutraler Kurzdeutsch genannt wird. Die Soziolinguistin Diana Marossek hat ihre preisgekrönte Doktorarbeit jetzt zu einem Buch verarbeitet: „Kommst du Bahnhof oder hast du Auto. Warum wir reden, wie wir neuerdings reden.“ Sie hat den Sprachgebrauch an 30 Berliner Schulen im natürlichen Umgang untersucht und genau diese Verkürzungen gefunden: „Gib mir Stift?“, „Verstehst du Text!“ , „Ich geh Döner“. Derartige grammatische Vereinfachungen sind ein Merkmal einer Pidgin-Sprache, die sich bei Personen herausbildet, um sich in einer fremdsprachigen Umgebung zu verständigen. Aber so sprechen nicht nur migrante Jugendliche, sondern auch Deutsche, es hat sich ein Soziolekt herausgebildet. Ein Soziolekt hat die Funktion, sich gegen außen abzugrenzen und intern ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Jugendkulturen sind dabei besonders kreativ.
Ein Grund wieder einmal den Untergang der deutschen Sprache zu beklagen, ist das also nicht. Aber der Einfluss der Migranten auf das Deutsche ist derzeit natürlich ein heißes Thema! Die Wissenschaftlerin geht aber zu weit, wenn sie in ihrem Untertitel behauptet, dass das Kurzdeutsch inzwischen in die allgemeine Umgangssprache eingegangen ist. Davon habe ich nichts mitbekommen, auch wenn man selbst einmal sagt: „Ich fahre Bus“. (12.02.2016)
Produktpräsentation 2
Flott formuliert und einer Herausforderung für ein anständiges phonologisches Gedächtnis. Scan: St.-P. Ballstaedt (11.02.2016)
Produktpräsentation 1
Spitzenslips und BHs neben Sukkulenten. Seite 7 im aktuellen ALDI SÜD Katalog „meine Woche“. Scan: St.-P. Ballstaedt (10.02.2016)
Zackig formuliert
Stencil an Tübinger Hauswänden, hier in der Langen Gasse. Foto: St.-P. Ballstaedt (07.02.2016)
Strunzdumm
Mein Lieblingswort im Februar 2016. Das Morphem hat offenbar eine verstärkende Bedeutung. Ein Mensch ist nicht nur dumm, sondern besonders dumm, er hängt seine Dummheit durch Großmäuligkeit heraus, er stellt sie zur Schau. Das trifft auf viele Beiträge in sozialen Netzwerken zu. Neulich habe ich das Wort „strunzkatholisch“ gelesen, auch hier eine Verstärkung des Adjektivs.
Laut Duden kommt das Morphem vom vergessenen Verb „strunzen“, zu dem im Grimm’schen Wörterbuch die Synonyme „großsprechen“, „prahlen“ angegeben sind, ein Strunzer ist ein Angeber. Das Verb ist ein Homonym und hat nach dem Grimm`schen Wörterbuch noch andere Bedeutungen: 1) Strunzen als müßig umherschweifen, ein Strunzer ist hier ein Landstreicher oder Tagedieb, eine Strunze oder Strunzel eine liederliche Frau. 2) Strunzen in der Bedeutung „mit großem Strahl urinieren“, ein Strunzer ist hier ein Brunzer. Ob die Homonyme nicht doch auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehen, konnte ich nicht klären. (06.02.2016)
Krtek
So heißt der kleine Maulwurf, den der tschechische Zeichner Zdenek Miler (1921- 2011) als Zeichentrickfilmfigur geschaffen hat. Auf dem Aufkleber taucht er als subversive Figur wieder auf. Foto: Steffen-Peter Ballstaedt (04.02.2016)
Beileid und Mitleid
In einer Kondolenzkarte drückt man sein Beileid aus, warum nicht sein Mitleid? Was ist der Unterschied? Das Mittleiden, später auch das Mitleid ist ein gemeinschaftliches Leiden (Übersetzung des lateinischen compassio bzw. des griechischen sympathein). Wer mitleidet, der empfindet emotional mit, er hat Mitgefühl, er klagt, trauert, weint mit. Das Wort „Beileid“ ist Anfang des 17. Jahrhunderts aufgekommen, damals im Sinne von Mitempfindung, also in ähnlicher Bedeutung wie Mitleid: „es kunte niemand nicht ein beileid mit ihm haben“ (Fleming). Beileid ist eine analoge Bildung wie Beiheft, Beiboot, Beilage, Beikoch, Beifang und Beikost: Es wird etwas zusätzlich dazugegeben. Beileid ist schwächer als Mitleid, eher kognitiv als emotional. Mitleid drückt sich in Gefühlen aus, Beileid in Worten. Beileid wird ausgesprochen, deshalb auch Beileidsbekundungen und Beileidsbezeugungen. Sprachlich interessant: Man kann mitleiden, aber nicht beileiden! Das Verb gibt es nicht! (01.02.2016)
Stadtmarketing
Für das Stadtmarketing ist natürlich misslich, wenn man erst wegen einer unsensibel gebauten Brücke aus der Liste des Weltkulturerbes gestrichen wird und dann vor den historischen Kulissen fremdenfeindliche Plakate und Fahnen geschwenkt werden. Dresden macht sich Sorgen, dass die Fotos, die um die Welt gehen, unerfreuliche Assoziationen hervorrufen und Touristen abschrecken. Tatsächlich haben die Bilder eine ikonografische Qualität, die sie für alle visuellen Medien interessant macht. Tipp: Die Demos auf die Elbwiese vor die Waldschlösschenbrücke verlegen. (30.01.2016)

Titel des Time Magazine mit weltweiter Wirkung: Quelle: Bildschirmfoto time.com
Öffentliche Filmkritik
Mit einer Banderole überklebtes Plakat: „Sexistische Kackscheiße“ am Kino „Blauer Turm“ in Tübingen (durch Anklicken vergrößern). Bei einem Kompositum aus zwei Synonymen (rhetorisch einem Hendiadyoin) muss die Empörung groß sei. Foto: St.-P. Ballstaedt (28.01.2016)





