Geschlechterkampf

Im Frankfurter Städel ist bis 19. März 2017 eine Ausstellung zu besichtigen, die sich mit den Geschlechterrollen von der Mitte des 19.Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges auseinandersetzt: Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo. Das Leitbild der Ausstellung auf Katalog und Plakat zeigt eine vollbusige Kindfrau, die auf einem Hügel voller blutender Männerleichen hockt (Gustav Adolf Mossa: Sie, 1905). Auf der Rückseite des Katalogs präsentiert Salome, mädchenhaft und durchsichtig bekleidet den Kopf Johannes des Täufers (Jean Benner: Salome, 1899).

Als Mann verlasse ich die Ausstellung etwas beklommen: Der Mann macht im Geschlechterkampf keine gute Figur. Viele starke Frauen: Eva, Lilith, die Sphinx, Medusa, Lamia, Delila, Salome, Judith, Klytämnestra, Pythia; Frauen als Mänaden, Sirenen, Amazonen, Vamyre, Femmes fatales. Die Dominanz des Weibes ist erdrückend, zwischen Opfer ihrer Verführungskünste und Lustmörder ist offenbar keine Rolle für den Mann vorgesehen. Nun sind Kunstwerke nicht die Wirklichkeit, sondern die meist männlichen Künstler haben sich ihre Ängste von der Seele gemalt und sahen im sozialen Erstarken der Frau eine Bedrohung – so im Grußwort des Katalogs. Aber auch das stimmt nicht froh, denn auch damit werden Männer in vollständiger Abhängigkeit von der Frau definiert. Allerdings kann ich mir eine Ausstellung mit anderen Exponaten zum Thema Geschlechterkampf nicht vorstellen. (15.02.2017)

Geschlechterkampf von

Bezeichnendes Cover: Der Mann hat keine Chance, um den Hals hängen Pistole, Dolch und Gift als Schmuck. Im goldenen Heiligenschein steht in Latein ein Zitat des Satirikers Juvenal: „Das will ich, so befehle ich es. Als Grund genügt mein Wille.“ Quelle: Randomhouse

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