Gesunde Defäkation

Im ersten Buch des Gründers der Gestalt-Therapie Frederick S. Perls: „Das Ich, der Hunger und die Aggression“ (1944) vollführt der Autor einen Parforce-Ritt durch viele Themen und bietet eine typisch psychoanalytische Mischung aus scharfen Beobachtungen, gewagten Vermutungen und forschen Behauptungen. So wird die Vorliebe für stark gewürzte Speisen als eine „Negation einer Frigidität des Gaumens“ interpretiert, „die wiederum die Negation des Wunsches ist, sich zu erbrechen“.

Das Buch enthält nur wenige Abbildungen, aber eine ist mir sofort ins Auge gefallen. Es geht dabei um die gesunde Defäkation, die schlicht darin besteht, einfach den entsprechenden Ort aufzusuchen und dem Drang nachzugeben. Eine Verstopfung ist hingegen ein unbewusstes Widerstreben, sich von den Fäzes zu trennen. Der angespannte Schließmuskel ist ein Mittel der Verdrängung: Wir wollen etwas nicht herauslassen.

In den Abbildungen I, II, III steht S für den Sphinkter, M für die Schleimhaut des Rektums. Die Abb. I zeigt eine entspannte Defäkation. Die Abb. II zeigte eine Verstopfung mit fest kontrahiertem Schließmuskel, die Abb. III das Herauspressen gegen den Widerstand des Sphinkters, das zu Hämorrhoiden führen kann. „Das erste, was Sie bei sich ändern müssen, während sie auf der Toilette sitzen, ist das Vermeiden der Wahrnehmung der Defäkationstätigkeit, z.B. durch Lesen oder Geistesabwesenheit oder indem Sie an die Zukunft denken.“ (S. 269). In dem Buch findet man viele lebenspraktische Tipps. (20.05.2018)

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