Historischer Humor 11

Über welche Witze man im Mittelalter gelacht hat, dass wissen wir nicht. Erhalten sind aber zahlreiche Schwänke unterschiedlicher Qualität. Der Mediävist Hanns Fischer hat viele gesammelt und übersetzt, die meisten sind anonym, aber es gibt auch bekannte Namen: Hans Folz, Claus Spaun, Hans Rosenplütz u.a.m.

Im Mittelalter kann man einen Humor von oben und einen Humor von unten unterscheiden. Humor zum Vortrag in adligen Kreisen hat oft die Dummheit und Grobheit der Bauern zum Inhalt, er sollte die gehobene Schicht von den unteren Ständen abgrenzen. Ein Beispiel ist der berühmte Veilchenschwank des Neidhart von Reuental, der in zahlreichen Varianten verbreitet war. Hier meine Kurzversion:

Der Ritter Neidhart findet das erste Veilchen des Frühjahrs auf einer Wiese und bedeckt es mit seinem Hut, um es später wieder zu finden. Einer Tradition folgend beabsichtigt Neidhart, die Herzogin und ihr Gefolge an den Fundort zu führen, sodass diese die erste Frühlingsblume selbst pflücken kann. – In der Zwischenzeit pflückt ein Bauer das Veilchen und versteckt einen Kothaufen unter Neidharts Hut. – Als die edle Dame erwartungsvoll den Hut lüftet, findet sie den Kothaufen, ist empört und der Ritter Neidhart gedemütigt. – Die Bauern tanzen ob des gelungenen Streichs, aber Neidhart nimmt Rache und lässt jedem das linke Bein abhacken, damit sie nie wieder tanzen können.

Es geht wenig zimperlich in den Schwänken zu. Der Humor von unten hat ein anderes Thema: Hier lacht man über die Auseinandersetzung zwischen Klugheit und Dummheit, vor allem im Spannungsfeld der Geschlechter. Dabei ist meist die Frau die Klügere, die Männer sind Tölpel. Oft geht es dabei um einen Liebhaber, die Frauen werden als sexuell aktiv dargestellt, die Sexszenen sind zwar metaphorisch, aber unmissverständlich dargestellt.

„Er gab ihr gleich den Schaffenstiel in ihre Hand, und sie setzte ihn dort an, wo er ihr am besten tat“ (aus Fischer 1973: Minnedurst, S. 97)

Auch hier sind die Erzähler nicht zimperlich, es wimmelt von geilen Pfaffen, liebesdürstigen Frauen, angespitzten Vaganten. Hanns Fischer sieht in der drastischen Darstellung von Sexualität ein Gegenstück zu der „idealisierten Schönfärberei des  höfischen Romans“, in dem die Hohe Minne gefeiert wurde. (24.04.2020)

 

 

 

 

 

Meine Quelle: Hanns Fischer: Pfaffen, Bauern und Vaganten. Schwankerzählungen des deutschen Mittelalters. München: Deutscher Taschenbuchverlag,  1973.

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