Grabkreuze

Der Beitrag über Materln (6.10.2014) hat den Zeichen-Scout Wolfgang Scherer auf den Plan gerufen, der ähnliche Grabkreuze auf einem Friedhof in Rumänen im Maramuresch fotografiert hat: Bunter als die Marterln, auch mit nativer Malerei und einem Verslein, das aus dem Leben des/der Verstorbenen berichtet. Im Unterschied zu den Materln sind es aber brave Texte. Bei der Frau mir der Webspindel stehen die Verse (danke für die Übersetzung an Frau B. W.):

Hier ruhe ich mich aus, die Marie des Ion Diochi heiße ich. In der Welt, in der ich gelebt habe, habe ich jegliche Arbeit geliebt, ich habe geschwatzt und gewebt, schöne Leintücher habe ich gemacht. Aber ich bin im Zorn weggegangen, eine Frau im Haus habe ich nicht zurückgelassen, zwei Männer habe ich im Haus zurückgelassen. Im Zorn über mich sollen sie leben und sie werden sich erinnern und ewig daran denken, dass ich das Leben zurückgelassen habe mit 69 Jahren. 1936-2005

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Grabkreuze auf einem rumänischen Friedhof im Maramuresch. Foto: Wolfgang Scherer (23.10.2014).

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Krawatten

Heute ist der Welt-Tag der Krawatte! Dieser sonderbare Stoffstreifen um den Hals ist das auffälligste Accessoire der männlichen Mode. Das Wort leitet sich ab von à la cravate = auf kroatische Art. Angeblich war Ludwig XIV. im Jahr 1663 vom Aufmarsch eines kroatischen Reiterregiments mit Halsbinde so beeindruckt, dass er dieses Kleidungsstück im Adel einführte. Der König stellte einen eigenen Cravatier ein, der seine Krawatten pflegen musste! Im Landesmuseum Zürich kann man gerade eine Ausstellung über die Geschichte der Krawatte anschauen.

Die Krawattenmode wechselt: Länge und Breite, Art des Knotens, mit Klammer oder Nadel, Stoffe und Dessins. Picasso oder Dali haben einmal Krawatten entworfen, aber in den letzten Jahren dominieren unifarbene und schlicht gestreifte Krawatten. Bunte Muster sind weitgehend verschwunden, die Langeweile hat sich um die Hälse gelegt. Dabei fällt nichts so ins Auge wie eine Krawatte, sie kann interessanter als der Mann dahinter ausfallen. (18.10.2014)

Krawatten

Ausschnitt aus meinem Schlipssortiment: Ich mag keine gestreiften Krawatten. Der Hit für die Ästhetik-Vorlesung: die Kakerlaken-Krawatte. Foto: St.-P. Ballstaedt.

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Schablonen

Refugees. Baeckerei

Mit Schablonen gesprayte politischen Botschaften an Gebäuden der Universität Tübingen. Fotos: St.-P. Ballstaedt (14.10 2014).

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Verhaltensstörungen

Laufband-Text in der Zuganzeige im Stuttgarter Hauptbahnhof: „Cannstatter Wasen: Es ist mit Verspätungen, überfüllten Zügen und verhaltensgestörten Personen zu rechnen“. Endlich einmal eine überzeugende Informationspolitik der Bahn. (13.10.2014)

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Warnung

Foto

Ein Leser meines Blogs hat mir dieses Warnschild zukommen lassen, das er im September neben einer Autobahn-Tankstelle in Ungarn gefunden hat. Foto: Felix Metschan, mit herzlichem Dank. (12.10.2014)

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99 Luftballons

Das ist mein 100. Beitrag im Blog und deshalb ist eine kleine Evaluation des Projekts fällig. Meine Absicht: Ich wollte unsere symbolische Umwelt vor allem in den weniger ausgeleuchteten Ecken dokumentieren.

Ein wenig Statistik. Die Anzahl der Klicks auf der Website hat kontinuierlich zugenommen: Mai 239, Juni 411, Juli 425, August 610, September 658. Bis heute 2.692 Views, im Oktober im Durchschnitt 30 Views pro Tag. Das ist nicht besonders viel. Der meist geklickte Beitrag war Ebola (260) gefolgt von Klodeckel (84)!

Über 700 Kommentare hat meine Antispam-Biene korrekt abgefangen, alle auf Englisch: Eigenwerbung, politische Manifeste, Hilfsgesuche, unseriöse Angebote, Bekenntnisse. Ich kann es kaum glauben, wie viele brache Kommunikationsbedürfnisse sich im Web austoben, oft seitenlang. Thematisch zu meinen Beiträgen waren es 26 Kommentare. Man freut sich wie ein kleines Kind, wenn etwas inhaltlich zur Kenntnis genommen wird.

Kosten und Nutzen des Blogs stehen in keinem günstigen Verhältnis, aber ich werde reduziert weiter machen. (11.10.2014)

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Der Genitiv

Mit dem schönen Titel „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ hat Bastian Sick 2004 zur Rettung des Genitivs aufgerufen: Formulierungen wie „wegen dem schönen Wetter“ oder „laut einem Bericht“ sind nach der Grammatik falsch, weil nach diesen Präpositionen der Genitiv stehen muss, zumindest im schriftlichen Hochdeutsch. Gehört der Genitiv zu den bedrohten Fällen? In einer Arbeit hat der Tübinger Linguist Fabian Renz aufgezeigt, dass der Genitiv wohl aus Rache umgekehrt auch den Dativ verdrängt. Immer öfter liest man „gemäß des Paragraphen“ oder „nahe des Bahnhofs“. Sprachpfleger werden sich vor Grausen schütteln, aber der Genitiv klingt hier doch durchaus gehoben. Die Sprache wandelt sich durch die Sprecher, was die Grammatik betrifft allerdings langsam. Die grammatischen Fehler von heute sind oft die Regeln von morgen. (09.10.2014)

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Biedermeier

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Biedermeier-Tapeten aus dem Hause meiner Schwiegermutter in Kirchentellinsfurt. Foto: St.-P. Ballstaedt (07.10.2014)

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Marterln

Sie gehören zu den religiösen Kleindenkmälern und sind nur in den Alpenländern verbreitet. Mit ihnen wird an Einzelpersonen erinnert. Oft in Versform, manchmal mit Bild berichten sie über die Unfälle oder Krankheiten, an denen sie gestorben sind. Marterln sind Ausdruck einer unverklärten Einstellung zum Tod. (06.10.2014)

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Zwei schöne Beispiele für Marterln aus Österreich. Foto: Fritz Lehmann (mit herzlichem Dank).

Der Text des ersten Marterl: Hier ruht der Brugger von Leichteithen, er starb an einem Blasenleiden. Er war schon je ein schlechter Brunzer, drum bet für ihn ein Vaterunser.

Der Text des zweiten Marterl: Christ steh still und bet a bissl, hier liegt der Bauer Jakob Nissl. Zu schwer mußte er büßen hier, er starb an selbstgebrautem Bier.

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