Heiliger Keks

Diesen Aufkleber habe ich an einem Mast vor dem Leibniz-Kolleg in Tübingen in der Brunnenstraße 34 entdeckt. Das kann wohl kein Zufall sein. Ich habe dort viele Jahre unterrichtet und weiß, dass sich die Leibnizianer untereinander als Kekse bezeichen. Foto: St.-P. Ballstaedt (09.04.2020)

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Vergleichsbilder

Wenn zwei ähnliche Bilder nebeneinandergestellt werden, wird fast automatisch eine Suche nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten ausgelöst. Bei diesem Vergleich ist die visuelle Aufmerksamkeit gefordert, mit Blickbewegungen werden die Bilder abgesucht.Vergleichsbilder können Veränderungen über die Zeit (vorher – nachher), verschiedene Handlungen (richtig – falsch) und Unterschiede im Aufbau (Version 1 -Version 2) vermitteln.

Visuelle Vergleiche sind in vielen Bereichen anzutreffen. In der Werbung zur Gewichtsreduktion oder gegen abstehende Ohren (vorher – nachher), In Frauenzeitschriften werden Frisuren gegenübergestellt (alt – neu). Visuelles Vergleichen ist in der Wissenschaft ein erkenntnisgenerierendes Verfahren: In der Medizin werden tomografische Aufnahmen miteinander verglichen, um Krankheits- und Heilungsprozesse sichtbar zu machen. In der Astronomie werden Aufnahmen zu verschiedenen Zeitpunkten auf Veränderungen abgesucht. Auch didaktisch sind Vergleichsbilder nützlich, um Unterschiede zu lernen, z.B. korrekte Handgriffe in Bedienungsanleitungen (falsch – richtig).

Früher fand man in allen Illustrierten auf der Rätselseite Vergleichsbilder, die sich in einigen Details unterschieden: „Die Bilder unterscheiden sich in zehn Merkmalen. Finden Sie sie in zwei Minuten!“ Neuerdings kehren die Vergleichsbilder wieder zurück: Als Übungen für Senioren als Demenzprävention, z.B. in Apothekerzeitschriften. Es gibt auch Websites, die visuelle Aufgaben anbieten, teilweise sehr anspruchsvolle z.B. auf Suchbilder oder Raetseldino. (07.04.2020)

Vier Beispiele für Vergleichsbilder: 1. Werbung: Abnahmeerfolg durch Pillen (Werbung für Keto im Web); 2. Technische Kommunikation: richtiger Einsatz einer Faßpumpe (Bautz Betriebsableitung Diesel-Schlepper 14 PS, 1956, S.17); 3. Lehrbuch der Botanik: die verschiedenen  Blütenstände (Wikimedia Commons); 4. Tageszeitung: Rätselseite (Scan aus der Südwestpresse vom 27.3.2020).

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Krisenvokabular

In der Wortwarte habe ich einmal nachgeschaut, welche neuen Wortbildungen die Corona-Krise hervorgebracht hat. Hier eine Liste:

Außer-Haus-Verbot, coronalastig, Homeofficierung, Isolationseinrichtung, Zuhause-Langeweile, Heimschick-Dienst, Zombiebakterien, Gemüsespende, Kitaverbot, Verangstwortung, Zustellfenster, Infektionsmonitor, Exit-Strategie, Coronavirus-Lockdown, Coronaparty. (01.04.2020)

Herdenimmunisierung, Klopapierhamstern, Nullinfektion, Pandmiebestimmung, Vollquarantäne, Coronabunker, Homeoffice-Garderobe, Streaming-Ereignis, Desinfeltionstrupp, Zimmerquarantäne, Rückholticket, Ansammlungsverbot, Behelfsmaske, Flexisemester. Masken-Rohling, Rentner-Viris, Zoombombing. (13.05.2020)

Nachtrag: Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) findet man ein Themenglossar zu Covid-19 (29.04.2020)

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Notruf

Hier war wohl jemand mit dem Einsatz nicht zufrieden. Gefunden auf einer Betonwand in der Brunnenstraße in Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (29.03.2020)

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Bilderrätsel 11

Was sehen wir hier? Nicht schwer zu erraten, aber doch schön anzuschauen. Auflösung im Kommentar. Foto: St.-P. Ballstaedt (27.03.2020)

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Aktueller Humor

Im All treffen sich zwei bewohnte Planeten: Fragt der eine: „Lange nicht gesehen, wie geht es dir? – „Sehr schlecht, ich bin mit Menschen infiziert und bekomme kaum noch Luft.“ – Antwortet der andere: „Da habe ich ein gutes Mittel dagegen, Corona, das hilft garantiert.“

(gefunden in einem Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt vom 24.03.2020)

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Historischer Humor 10

Immanuel Kant’s Schriften gehören nicht zur Lektüre von Humorforschern, nur in der „Der Kritik der Urteilskraft“ ([§ 54] Anmerkung) macht der Philosoph sich Gedanken über das Lachen: „Es muss in allem, was ein lebhaftes erschütterndes Lachen erregen soll, etwas Widersinniges sein.“ Und weiter: „Das Lachen ist ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts.“ Kant war ein beliebter Gesellschafter, vielleicht erzählte er auch Witze. In seinem Text referiert er drei Witze als Beispiele, sie werden nicht erzählt, sondern sind in den theoretischen Text eingebettet. Ich bin so frei, sie unter Beibehaltung seiner Diktion herauszulösen:

Ein Indianer öffnet an der Tafel eines Engländers in Surare eine Bouteille mit Ale und sieht das Bier in Schaum verwandelt herausdringen. Er zeigt mit vielen Ausrufungen seine große Verwunderung. Auf die Frage des Engländers was denn hier so verwunderlich sei, antwortet er: „Ich wundere mich auch nicht darüber, dass es herausgeht, sondern wie ihr`s habt herein kriegen können.“

Der Erbe eines reichen Verwandten will dessen Leichenbegängnis recht feierlich veranstalten. Aber er klagt, dass es ihm nicht recht gelingen will, denn je mehr er seinen Trauerleuten Geld gebe, betrübt auszusehen, desto lustiger sehen sie aus.

Ein Kaufmann, der aus Indien mit all seinem Vermögen in Waren zurückkehrt, wird in einem schweren Sturm genötigt, alles über Bord zu werfen. Darüber grämte er sich so, dass ihm darüber in derselben Nacht die Perücke grau wird.

Das sind Kant`s Witze und man kann wohl davon ausgehen, dass sie ihm auch gefallen haben, sonst hätte er sie nicht in seinen Text aufgenommen. Eine tiefsinnige Interpretation der Witze hat Rainer Stollmann vorgelegt, in seinem Buch: „Angst ist ein gutes Mittel gegen Verstopfung“. Aus der Geschichte des Lachens. Berlin: Vorwerk 8 (2010; S.123 ff.). Für ihn richtet sich der erste Witz gegen den Empirismus und der zweite gegen den Rationalismus, beides Positionen, gegen die Kant mit dem berühmten Satz argumentiert: „ „Begriff ohne Anschauung ist leer,  Anschauung ohne Begriff ist blind“. Im dritten Witz macht er sich über seine Transzendentalphilosophie lustig. Ja, wenn Philosophen Witze erzählen! Immerhin hat er uns drei Witze im Zeitalter der Aufklärung überliefert. (22.03.2020).

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Lästling

Da benutzt man sein Leben lang seine Muttersprache und entdeckt noch immer unbekannte Wörter. Der Maulwurf wurde von der Deutschen Wildtier-Stiftung zum Tier des Jahres 2020 gekürt. Bei Gärtnern ist er nicht gern gesehen, dabei – so der Deutsche Schädlingsbekämpferverband  – ist er kein Schädling, sondern nur ein Lästling. Er ist im Erdreich sehr nützlich, denn er lockert die Erde auf, nur seine aufgeworfenen Hügel werden ungern gesehen.

Lästling steht sogar im Duden und ist eine Bildung mit dem Suffix -ing, die im Deutschen oft vorkommt: Liebling, Schützling, Neuling, Findling usw. Substantive, bei denen das Suffix an ein Adjektiv angehängt wird und damit eine Person mit einer bestimmten Eigenschaft charakterisiert, oft auch abwertend wie Feigling, Wüstling, Lüstling, alles Maskulina! Neuere Bildungen sind der Naivling oder der Primitivling. Ausnahmen sind der Frühling und der Schwindling, eine Pilzgattung, zu der z.B. der Knoblauchschwindling gehört. (18.03.2020)

Ein Lästling (talpa europaea) und ein Schwindling (marasmius rotula). Quelle: Wikimedia Commons

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Digitales Ich

GOOGLE hat es sich etwas kosten lassen und der letzten Ausgabe des SPIEGEL ein Heft beigelegt. Ausgangsthese: Wir hinterlassen durch alle Handlungen im Web wie Navigieren, Recherchieren, Buchen, Reservieren, Einkaufen, Kommunizieren, Streamen, Spielen, Bezahlen unsere Spuren, die zusammengefasst ein „digitales Ich“ oder eine „elektronische Identität“ bilden. Lassen wir einmal die Frage ausgeklammert, ob es so etwas wie ein Ich und eine Identität überhaupt gibt, sicher ist, dass unsere Hinterlassenschaften im Web etwas über uns aussagen, über Interessen, Bedürfnisse, Motive.

So wie wir ein soziales Ich in den Beziehungen mit anderen aufbauen, erhalten und verändern, so trägt auch digitale Kommunikation wie Mailen, Chatten, Bloggen, Fototausch zu unserem Ichgefühl bei. Hier sehe ich kein Problem. Etwas anders sind die Daten, die wir bei Netflix, Amazon, Facebook, Twitter, Google usw. ohne kommunikative Absicht hinterlassen. So lernt Netflix lernt mit jeder Serie, die wir anschauen oder auch nur den Trailer anklicken, mehr über unsere Vorlieben, ein Algorithmus berechnet daraus Empfehlungen und er ist lernfähig: Wer länger keine Erotikfilme mehr angeschaut hat, aber dafür Tierfilme, der bekommt zunehmend Tierfilme angeboten. (Kann man aus dieser Veränderung aber erschließen, dass sich seine erotische Bedürfnisse verändert haben?)

Was mich ärgert: Philosophische Konzepte wie „Ich“ und „Identität“ werden benutzt, um profitorientierte kommerzielle Interessen zu bemänteln. Diese Firmen interessieren sich nicht für Philosophie, sondern verdienen mit unseren Profilen bzw. errechneten Identitäten Geld. Sandra Matz, Assistant Professor of Management an der Columbia Business School in New beschäftigt sich als  Computational Scientist mit Psychografischem Profiling: Wie lassen sich aus den Daten im Web Nutzerprofile für das Marketing erstellen. Aus den Likes bei Facebook werden z.B. introvertierte und extrovertierte Nutzer ermittelt, die dann personalisierte Werbung bekommen. Ihr Resümee: „Ich denke, die Menschen müssen begreifen, was Daten Positives herbeiführen und wie sehr wir alle durch die Analyse von Daten profitieren“

Die Beilage versucht, die Vorteile der Datenerhebung und -zusammenführung zu preisen und gleichzeitig die Privatsphäre zu schützen. GOOGLE stellt sein Safety Engeneering Center (GSEC) in München vor. Dort wirkt ein Privatsphäre-Team, das Datenschutz- und Sicherheitsprodukte entwickelt. Merkwürdig: Ein firmeneigene Abteilung, die gegen das eigene Geschäftsmodell arbeitet? (16.03.2020)

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