Wünsche

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An der Bushaltestelle Hauserstraße in Tübingen: Da habe ich mir gleich etwas abgerissen. Foto: St.-P. Ballstaedt (10.03.2015)

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Aufmerksamkeit

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Nachtrag zum Frauentag: Werbung der Firma Mey mit Mitteln der Aufmerksamkeitslenkung : Erotik als Eye-Catcher, abweichende Typografie, für die Gebildeten eine visuelle Metapher mit  Anspielung auf Shakespeare. Quelle: Mey Bodywear

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Rolf Goetze

Jeder wird sich an ein Filmplakat von ihm erinnern: Das erste bekannte Filmplakat von Rolf Goetze stammt aus dem Jahr 1948, das letzte aus dem Jahr 1972. In diesem Zeitraum entwarf er etwa 800 Plakate und gehört damit zu den produktivsten Filmplakat-Grafikern. Meist stehen die Hauptdarsteller in markanten Großportraits im Zentrum und eine Szene des Films wird zitiert. Ein Plakat von ihm zum Hammer-Film „Draculas Rückkehr“ (1968) hängt bei mir an der Wand. Über Rolf Goetze weiß man kaum etwas.

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Christopher Lee in seiner dritten Rolle als Dracula. Hier möchte er gern Maria beissen, die Nichte des Monsignore Ernst Müller (!). Quelle: Filmposter-Archiv.

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Graphic Recording

Eine neue Form der Visualisierung wird aus den USA nach Deutschland importiert: Graphic Recording ist die visuelle Live-Dokumentation und Zusammenfassung von Konferenzen, Workshops und Seminaren. Der Graphic Recorder – interessanterweise meist eine Frau – hört zu, fasst zusammen und setzt die Ergebnisse in Bild und Wort um. Auf der dabei entstehenden Wandzeitung verwendet sie Strichmännchen, Kästen und Pfeile, piktografische Bildchen und visuelle Metaphern. Das Ergebnis erinnert an Mind Mapping, das von den Brüdern Buzan 1993 in ihrer Mind-Map-Bibel als visuelles Allheilmittel für alle Probleme angepriesen wurde.

Dass Visualisierungen (Mind Maps, Concept Maps, Charts, Skizzen, welche auch immer) für das Einprägen nützlich sind, daran besteht kein Zweifel. Aber jetzt lesen wir bei den überzeugten Graphic Recordern wieder: Der Mensch ist ein Augentier, er denkt vor allem in Bildern. Das ist Unsinn. Zum Denken gehören auch visuelle (und andere) Vorstellungen, aber Denken geschieht vor allem über Begriffe und Begriffsverknüpfungen. Visualisierungen finden ihre Grenzen, wenn abstrakte Inhalte und Argumentationen vermittelt werden sollen. Visualisierungen sind ein Hilfsmittel, nicht mehr und nicht weniger. (07.03.2015)

Innovationspolitik: Impulse von Prof. Hüther / Graphik Recording

Ein Ergebnisprotokoll als Graphic Recordering: Hübsch anzuschauen, aber wirkt sehr sozialpädagogisch. Bild: www.flickr.com

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Minis

Minis

Werbung, PR, Selbstverstärkung? Aufkleber an Tübinger Laternen mit dem Logo der Ministranten der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Fingerabdruck für Individualität, die Kerzen für Spiritualität. Foto: St.-P. Ballstaedt.

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Diapositive

Nostalgieabend. Wir schauen uns alte Dias an, die ersten von 1977, in verschiedenen Bildformaten, teils vergilbt, teils noch farbecht, verglast und unverglast (dann muss der Vorführer die Schärfe immer nachziehen). Angenehm, wieder einmal das Klicken des Bildschiebers zu hören. Auch ein Medium für das Museum (wie der Super-8-Film), das durch das Konvergenzmedium Computer mit Digitalfotografie und Beamer verdrängt worden ist. Stärke der Dias waren der große Kontrastreichtum und die helle Projektion. Die klassische Diashow gehörte zu den Familienevents nach einem Urlaub: Gattin vor dem Eiffelturm, Gattin rechts neben dem Eiffelturm, Gattin links neben dem Eiffelturm usw.

Alle didaktischen Dias habe ich weggeworfen (z. B. Baupläne der Tiere), derartige Bilder findet man jetzt alles im Web. Auf der Jahresfortbildungs­tagung des Zentral­verbandes für Logopädie e.V. in Aachen habe ich 1991 meinen einzigen Vortrag mit Dias gehalten: Vom Begriff zum Wort: Zwei Gedächtnisse in Aktion. Die meisten Dias standen auf dem Kopf oder waren seitenverkehrt. (05.03.2015)

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Ausgemustert: Dias. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Greisengemurmel

Milan Kundera hat nach vielen Jahren mit 85 einen Roman geschrieben: „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“. Ich habe das Buch gestern gelesen und halte die zusammengeleimten Szenen für keinen großen Wurf. Aber es ärgert mich, dass Wolfgang Höbel in seiner Kurzrezension im KulturSPIEGEL (März 2015) das Alterswerk als „Greisengemurmel“ abtut. Ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren auch die Romane „Exit Ghost“ von Philip Roth und „Ein liebender Mann“ von Martin Walser als peinliche Degenerationsliteratur bezeichnet wurden. In der TAZ schrieb Wiebke Porombka: „Deshalb bleibt es, bei allem gebotenen Respekt für die Alten, legitim zu fragen, ob man so was wirklich lesen will.“ Bei den unzähligen Romanen über Pubertät, Jugendprobleme, Midlife Crisis, Wechseljahre, Krankheiten, gescheiterte Ehen usw. fällt doch auf, dass jede Nuance der Befindlichkeit bei jüngeren Menschen und Frauen einen Roman wert ist, die Befindlichkeit älterer Männer aber offenbar nicht. (02.03.2015)

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Grapefruit

Pampellmuhseh

Nonsense mit breitem Pinselstrich am Nonnenhaus in Tübingen. Vielleicht hat ein wenig begabter Sprachstudierender eine Morphemanalyse versucht. Das merkwürdige Wort für die Zitrusfrucht kommt vom Niederländischen „pompelmoes“. Ursprung ist vermutlich im Tamilischen „bambolmas“. Foto: St.-P. Ballstaedt (01.03.2015).

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Spazierwanderer

Wortwarte aktiv: In der Umgebung von Tübingen sollen 30 Premiumwege für Spazierwanderer angelegt werden. Das Kompositum ist neu, es werden zwei Tätigkeiten in einem Wort kombiniert. Derartige Verbindungen sind selten. Andere Beispiele für Tätigkeitskombinationen oder modern Multitasking: In der Technik gibt es das Spritzgießen und im Alltag das Stehpinkeln. (28.02.2015)

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