Replikationen

Wissenschaftliche Untersuchungen müssen so durchgeführt und dokumentiert werden, dass man sie jederzeit wiederholen kann. Aber Replikationsstudien sind rar, denn sie bringen den Wissenschaftlern wenig Renommee, sie versuchen lieber neuen Ideen Karriere zu machen, statt alte Rezepte nach zu kochen.

In einem Großprojekt haben Forscher jetzt 100 Studien aus hochkarätigen psychologischen Fachzeitschriften reproduziert. Das Ergebnis: Nur 36% der Befunde konnten bestätigt werden, vor allem überraschende Befunde waren nicht zuverlässig (reliabel).

Was sagt das über den Wissenschaftsbetrieb aus? Zunächst kann man Betrug in diesem Ausmaß ausschließen, obwohl immer wieder gefälschte Studien auftauchen. Jede Studie ist auch von Zufällen abhängig, von der Art der Durchführung (Versuchsleitereffekte) oder von der Zusammensetzung und Größe der Stichprobe. Manche psychologischen Variablen sind auch intraindividuell nicht stabil. Und dann herrscht Druck auf den Forschern, sich mit Publikationen einen Namen zu machen und das geht vor allem mit unerwarteten spektakulären Ergebnissen. Unterhalb der Schwelle zum Betrug gibt es Möglichkeiten der Bereinigung von Daten, der Anpassung von Hypothesen, der Interpretation von Ergebnissen. Jeder, der schon einmal im Wissenschaftsbetrieb mitgemischt hat, kennt diese Tricks. Wer monatelang Daten erhebt und viele Fördermittel einsetzt, der möchte danach nicht mit leeren Händen da stehen.

Deshalb sollte man sich davor hüten, die Psychologie an den Pranger zu stellen. Ein weiteres Projekt überprüft jetzt 50 Studien zur Krebsbiologie, auf die Befunde darf man gespannt sein. Man erinnert sich an die 94 Publikationen mit gefälschten Daten von Friedhelm Herrmann und seinem produktiven Team. (11.09.2015)

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