Schlager

Ein Schlager ist – in der Musikkritik seit 1881 – eine beim Publikum ein- oder durchschlagende Musiknummer. Heute habe ich über die Forschungen des Musikwissenschaftlers Volkmar Kramarz in der Frankfurter Rundschau gelesen: Er hat an der Universität Bonn Musikstücke analysiert, die es auf hohe Ränge in den Hitlisten gebracht haben. Drei Pop-Formeln hat er gefunden: Turnaround, Modern-Pop, Four Cord. Das Schema „Turnaround“ hat die Akkordfolge: C-Dur/a-Moll/F-Dur/G-Dur. Nach diesem Muster ist z. B. der Song „Sag mir, wo die Blumen sind“ gestrickt. Dann hat Kramarz neun Songs komponiert, die mehr oder weniger von den gefundenen Schemata abweichen. Diese hat er einer Stichprobe (n=40) von Hörern beiderlei Geschlechts und aller Altersklassen vorgespielt und dabei die Hirntätigkeit mittels Magnetresonanztomografie aufgezeichnet. Die Ergebnisse. Bei den Songs nach den gängigen Pop-Formeln wurden Bereiche im Gehirn stimuliert, die für das Wohlgefühl zuständig sind, z. B. auch beim Sex oder beim Spontankauf. Je weiter der Song vom Schema abweicht, desto weniger Wohlgefühl kommt auf. Das gilt unabhängig von Alter, Bildung oder Herkunft. Ja sogar, wenn man das Lied nicht einmal gut findet, kann es zum lästigen Ohrwurm werden. Dies erklärt nicht nur den Erfolg von Songs, sondern ist auch ein schöner Beleg für die Schematheorie der Kognitionspsychologen. (29.07.2014)

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