Sologamie

In mehreren Zeitungen liest man über einen Trend zur Selbstheirat: Eine Person – bisher offenbar vor allem Frauen – heiratet sich selbst, nur symbolisch, denn trotz Ehe für alle ist die Sologamie rechtlich nicht anerkannt. Das ist vor allem Anlass für eine große Party, dabei wird das Ritual herkömmlicher Hochzeiten weitgehend eingehalten: Die Heiratswillige zieht ein bevorzugt weißes Brautkleid an, streift sich einen Ring über den Finger, schwört einen respektvollen Umgang mit sich selbst, ewige Liebe, andauernde Treue, also Versprechen, die so einfach gar nicht zu halten sind. Nicht jeder hat eine gute Beziehung zu sich selbst! Nach jüdisch-christlichem Gebot soll man ja den Nächsten lieben, wie man sich selbst liebt, was etliche Gewalttaten erklären könnte.

Was in der Hochzeitsnacht passiert, kann man sich vielleicht noch vorstellen, aber der Ehealltag dürfte doch ein wenig eintönig sein, sofern man nicht auf eine gespaltene Persönlichkeit bzw. eine dissoziative Identitätsstörung zurückgreifen kann.

Ob Selbstheirat bei Frauen eine feministische Großtat darstellt oder mit dem üblichen Ablauf eine Anpassung an patriarchalische Rituale, darüber wird noch heftig diskutiert. Auffällig ist, mit welchen Überschwang die Sologamistinnen ihre Lebensform preisen: große Selbstachtung, viel Liebe, kein Streit, null Eifersucht usw.

Mich interessiert noch eine praktische Frage: Kann man sich auch von sich wieder scheiden lassen? (07.10.2017)

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