Strunzdumm

Mein Lieblingswort im Februar 2016. Das Morphem hat offenbar eine verstärkende Bedeutung. Ein Mensch ist nicht nur dumm, sondern besonders dumm, er hängt seine Dummheit durch Großmäuligkeit heraus, er stellt sie zur Schau. Das trifft auf viele Beiträge in sozialen Netzwerken zu. Neulich habe ich das Wort „strunzkatholisch“ gelesen, auch hier eine Verstärkung des Adjektivs.

Laut Duden kommt das Morphem vom vergessenen Verb „strunzen“, zu dem im Grimm’schen Wörterbuch die Synonyme „großsprechen“, „prahlen“ angegeben sind, ein Strunzer ist ein Angeber. Das Verb ist ein Homonym und hat nach dem Grimm`schen Wörterbuch noch andere Bedeutungen: 1) Strunzen als  müßig umherschweifen, ein Strunzer ist hier ein Landstreicher oder Tagedieb, eine Strunze oder Strunzel eine liederliche Frau. 2) Strunzen in der Bedeutung „mit großem Strahl urinieren“, ein Strunzer ist hier ein Brunzer. Ob die Homonyme nicht doch auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehen, konnte ich nicht klären. (06.02.2016)

2 Kommentare to Strunzdumm

  1. SP Ballstaedt 8. Februar 2016 at 17:58 #

    In diesem Zusammenhang noch einmal eine Passage aus James Joyce „Ulysses“, die in einem Beitrag a,9.11.2014 bereits zitiert habe. Bloom und Stephan urinieren nebeneinander: „Die Bahnen ihrer zuerst aufeinanderfolgenden, dann gleichzeitigen Strahlen waren unähnlich: Blooms war länger, weniger irruent, zeigte, wenn auch nicht vollständig, die Form des gegabelten, vorletzten Buchstabens des Alphabets […]. Stephans war höher, zischender, denn er hatte in den letzten Stunden des vorrübergehenden Tages durch die Aufnahme diuretischer Dinge einen großen Blasendruck erreicht.“

  2. Wolfgang Scherer 8. Februar 2016 at 15:40 #

    „Na, Du solltest mich mal brunzen hören … Ich will ja nichts sagen, aber …“
    Das geht gut zusammen.

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