Lächerliche Sprachgebilde

Der um die Sprache sehr besorgte  Verein Deutsche Sprache hat einen Aufruf zum Widerstand in die Welt geschickt: „Schluss mit dem Gender-Unfug“ (https://vds-ev.de). Ein Argument: Das Gendern bringe „eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde“ hervor. Aber warum sind Wörter wie „die Radfahrenden“ oder „die Studierenden“, die als Beispiel angeführt werden, lächerlicher als z.B. „Abfertigungsanlage“ oder „Urinalreinigungsmittelverbrauch“?

Werfen wir einen Blick zurück auf das Deutsch, wie es anno 1774 J. W. von Goethe in seinem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ geschrieben hat. Einige Formulierungen daraus:

Wenn das liebe Thal um mich dampft […] und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräsgen mir merkwürdig werden. Wenn ich […] die Gestalten all der Würmgen, der Mückgen […] das Wehen der Allliebenden […] Die Kühle des Orts, das hat so was anzügliches, was schauerliches […] Ich bin in Verzükkung […] Ich saß ganz in mahlerische Empfindungen […] um weis Brod zu holen, und Zukker […] theils wegen dem Gegensazze.

Sehen und klingen manche Wörter nicht sehr merkwürdig, ja geradezu albern? Das oft bemühte ästhetische Argument gegen eine Sprachneuerung beruht allein auf dernGewohnheiten in den Köpfen der Kritiker. (23.03.2019)

One Response to Lächerliche Sprachgebilde

  1. Wolfgang Scherer 24. März 2019 at 9:57 #

    Gut gegeben! Erfrischend.

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