Pfeilwitze 2

Offensichtlich werde ich mit meiner Sammlung von Witzen und Cartoons zum Thema Pfeil nicht ernst genommen, deshalb hier zwei weitere Beispiele. Der erste Witz ist aus der „Bäckerblume“ und beruht auf dem Unterschied der Funktion wirklicher Pfeile und ikonischer Pfeile. Der zweite spielt mit der Zeigefunktion von Pfeilen: Weg vom Gesicht leitet er den Blick, aber wohin…? (15.04.2015)

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Der erste Pfeilwitz ist aus der Bäckerblume, der Zeichner des zweiten ist in meinem Archiv unter die Räder gekommen.

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Pissoir-Erotik

Toilettenerotik

Das Automatenangebot an Erotikartikeln in einem Tübinger Pissoir. Die Produkpräsentation ist bildlich eher schlicht, aber typografisch  abwechslungsreich (durch Anklicken vergrößern!). Foto: St.-P. Ballstaedt (14.04.2015)

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Schreibschrift

Nachdem es um die Rechtschreibreform gerade ruhig geworden ist, droht der Kulturtechnik Schreiben ein neuer Schlag. Im Grundschulverband wird diskutiert, ob man in den Schulen die gebundene Schreibschrift abschaffen und dafür nur eine druckschriftähnliche Grundschrift lehren soll. Dabei werden die einzelnen Buchstaben nicht mehr miteinander verbunden. Ausgerechnet beim PISA-Sieger Finnland ist das bereits ab 2016 beschlossen. Auch in der Schweiz wird darüber diskutiert. Das Argument: Die Handschrift wird immer weniger gebraucht, da fast alles auf einer Tastatur geschrieben wird. Deshalb macht es keinen Sinn mehr, Schülerinnen und Schüler mit einer komplizierten Handschrift zu quälen, sie sollen lieber die Tastaturkompetenz verbessern. Ohnehin haben 30% der Jungen und 15% der Mädchen ernsthafte Schwierigkeiten dem Erlernen der Handschrift.

Der Aufschrei der Kulturbewahrer ist wieder laut: Kinder werden unterfordert, es drohen feinmotorische Störungen und der Verlust individueller und kultureller Identität. Wohlgemerkt: Es geht nicht um die Abschaffung der Handschrift, sondern um ein vereinfachtes Schreiben. Wer viel mit der Hand schreibt, kann die Buchstaben auch miteinander verbinden. Eine persönliche Handschrift kann sich also auch hier entwickeln.

Handschrift ist sicher etwas Individuelles, Generation von Grafologen haben – allerdings weder reliabel, noch valide –  versucht, sie als Ausdruck des Charakters eines Menschen zu analysieren. Aber Handschrift ist auch oft unleserlich. Nach Angaben der National Academy of Sciences sterben in den USA jedes Jahr etwa 7000 Menschen an unleserlich ausgestellten Rezepten.

Die Schreibforschung hat klar ergeben: Schreiben hat wichtige kognitive Funktionen beim Sortieren der Gedanken, aber ob wir dazu eine Stift oder eine Tastatur benutzen, ist wohl nicht ausschlaggebend. Gern wird Nietzsche zitiert: „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken”. Der Philosoph litt an schwindendem Sehvermögen und Migräneanfällen und kam mit der damals noch schwer gängigen und lauten Schreibmaschine nicht zurecht.

Das Schreiben verbundener Schrift soll angeblich den Gedankenfluss befördern, während das Schreiben einzelner Buchstaben das Denken unterbricht. Aber mit diesem Argument müssten über eine Tastatur Buchstabe für Buchstabe eingegebene Texte gedanklich wenig taugen. Ich selbst schreibe nur noch wenig mit der Hand, immer mit Radierer und Tippex in Reichweite: Besorgungslisten, Gedankensplitter, Sudelbucheinträge. Längere Texte schreibe ich nur auf dem Computer. Die allmähliche Verfertigung der Gedanken geht spontaner und schneller, weil Korrekturen und auch inhaltliche Umstellungen schnell vollzogen sind.

Wie bei der Rechtschreibreform ist festzustellen, dass viele Gründe für oder gegen die Grundschrift empirisch nicht abgesichert sind. Deshalb wird wieder einmal auf dem Niveau von Glaubenskriegen argumentiert. (13.04.2015)

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Die Hamburger Grundschrift, die seit 2011 an einigen Schulen ausprobiert wird: Quelle. Wikimedia Commons

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Kirche macht was

Dass die evangelische Landeskirche neben den göttlichen Ratschlägen auch noch weltlichen Beistand einholt, ist sicher kein Fehler. Die angelaufene Kampagne mit großen Plakaten erfüllt den Zweck, Aufmerksamkeit zu erregen, denn die Motive sind groß, düster und auf den ersten Blick unverständlich. Wer dadurch auf die Website gelockt wird, der findet dort einen Wettbewerb für Ideen, die unsere Gesellschaft besser machen. Natürlich zwei religiöse Themen, aber auch zwei Psychothemen: Was bin ich wert? Sich Zeit für etwas nehmen. Eine kirchenunabhängige Jury wird die eingegangenen Ideen in Form von Texten, Gedichten, Kurzfilmen, Musikstücken, Fotos usw. bewerten. Die Kirche lässt sich die Ideen etwas kosten: Vier PR-Agenturen stehen 3 Millionen Euro zur Verfügung. (10.04.2015)

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Ein Plakatmotiv, das Aufmerksamkeit durch kognitive Dissonanz erregt. Quelle: Evangelische Landeskirche

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Studieren

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Passend am Parkhaus bei der Universitätsbibliothek Tübingen dieses erstaunlich ausgearbeitete Stencil. Sonderbar ist aber die altmodische Schreibmaschine. Foto: St.-P. Ballstaedt (09.04.2015).

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Pfeilwitze 1

Einen Tag lang habe ich mich mit dem universellsten Zeichen der Menschen beschäftigt: dem Pfeil und seinen zahlreichen Funktionen als Schriftzeichen über Wegweiser und Verkehrszeichen bis zu seiner Symbolik in Mythologie und Kunst. Dabei ist mir eine Sammlung von Witzen und Cartoons wieder in den Hände gefallen, die ich vor Jahren für einen Vortrag gesammelt hatte. In Ihnen spielen Pfeile eine Rolle. (08.04.2015)

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Zwei Beispiele für Pfeilwitze. Der erste vom Schweizer Cartoonisten Jules Stauber, der zweite vom rumänisch-amerikanischen Zeichner Saul Steinberg.

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Kleindenkmal

Gedenkstein

Die Kleindenkmale im Schönbuch sind gut dokumentiert, aber mit dieser Inschrift kann ich nichts anfangen. Sie steht auf einem Stein in der Wurzel eines umgestürzten Baumes am Bromberg am Weg zur Einsiedlerklause. Statt in Rinde geschnitten in Stein gemeißelt? (06.04.2015)

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Austriazismen

Im Gespräch mit Österreichern habe ich wenige regionale Ausdrücke gehört: Im Supermarkt wird mir ein Sackerl angeboten und der Taxler ist eingetroffen. Aber in den Beisln oder Heurigen finden sich viele ungewohnte Ausdrücke: Beuschel oder Blunzen, Faschiertes und Geselchtes, Stelze und Backhendl, als Beilage Fisolen, Karfiol oder Braterdäpfel. Zum Nachtisch Palatschinken oder Topfenstrudel. Nach einigen reschen Grünen Veltlinern und gelben Muskatellern, sowie einigen Gespritzten zur Verdauung noch einen Marillenschnaps und man verlässt die Lokalität mit einem Dulliöh. (04.04.2015)

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Österreicher bringen ihre Kleidung nicht zur Textilreinigung. Quelle: Wikimedia Commons

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Ostereier

Heute ein besonders originelles Thema: Auf unseren Tisch steht wie jedes Jahr ein Korb mit selbstgefärbten Eiern. Das Ei ist bereits vorchristlich ein Symbol für Fruchtbarkeit und Leben, im Christentum wird es seit dem Mittelalter zum Symbol der Auferstehung. Christus brach aus dem Grab wie aus einem Ei, so die etwas holprige Metapher. Das Färben von Eiern ist eine christliche Tradition, die von Armenien über Russland, Griechenland, den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa verbreitet ist. Auch die Farben und Dekorationen haben dabei symbolische Bedeutungen.

Warum der Osterhase die Eier bringt, ist nicht ganz geklärt, in manchen Gegenden ist es auch der Fuchs, der Storch oder der Hahn. Der Hase eignet sich als alter Rammler allerdings besonders, denn er ist ebenfalls ein Symbol für Fruchtbarkeit und die ständige Erneuerung des Lebens. (05.04.2015)

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Der Osterkorb 2015, die Eier natürlich korrekt mit Naturfarben gefärbt. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Tauben

In Traueranzeigen und auf Grabsteinen findet man immer wiederkehrende Trauersymbole, z. B. die weiße Taube. Im Christentum steht die Taube für den heiligen Geist und ist ein Symbol des Friedens und der Reinheit, oft mit einem Ölzweig im Schnabel. Der Flug nach oben ist Sinnbild der aufstrebenden Seele, der Flug nach unten als Heiliger Geist.

Ein weißes Taubenpaar ist aber auch ein populäres Symbol für die Liebe: Zwei schnäbelnde Tauben sind auf Hochzeitstorten beliebt. Die dahingeschiedene Taube neben dem zurückgelassen Partner passt deshalb auf ein Doppelgrab. Bis dass der Tod sie scheidet… (02.04.2015)

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Tauben auf einer Hochzeitstorte und auf einem Grab auf dem Friedhof in Krems. Quellen: CCO Public Domain; Foto: St.-P. Ballstaedt

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